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Dienstag, 14. September 1999

Mehr Wild von Autos überfahren als von Luchsen gerissen

Eidgenössische Jagdstatistik 1998: Genügend Wild für Luchse und Jäger

pd/S. Die Jäger schiessen in der Schweiz immer mehr Rehe und Gemsen: Gemäss der eidgenössischen Jagdstatistik 1998 (http://www.wild.unizh.ch/jagdst/hunt_d.html) wurden 44’000 Rehe und 18’500 Gemsen erlegt. 207 vom Luchs gerissene Rehe und 94 Gemsen wurden entdeckt. Trotzdem haben die Bestände laut einer Medienmitteilung des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) leicht zugenommen. Während die etwa 100 Luchse in den Alpen und im Jura benötigen pro Jahr knapp 5000 Rehe und etwa 1800 Gemsen, um überleben zu können, sind laut Jagdstatistik im Jahr 1998 allein 8213 Rehe von Autos überfahren worden.

«Obwohl die Jäger gesamtschweizerisch immer mehr Rehe und Gemsen schiessen und diese auch den grössten Teil der Nahrung des Luchses ausmachen», heisst es in der Medienmitteilung, «haben 1998 die Reh- und Gemsbestände in den meisten Kantonen gegenüber dem Vorjahr um drei bis vier Prozent zugenommen.» Gemäss der Eidgenössischen Jagdstatistik von 1998 schätzten die Wildhüter und Jagdaufseher die Bestände auf rund 131’000 Rehe und 97’000 Gemsen. Im letzten Jahr seien von Schweizer Jägern 44’000 Rehe und 18’500 Gemsen geschossen worden: «15’727 Rehe fielen anderen Todesursachen zum Opfer, davon wurden 8213 von Autos überfahren.» Von den vom Luchs erbeuteten Wildtieren werde nur ein kleiner Teil entdeckt, «da er seine Beute versteckt und immer wieder an seinen Riss zurückkehrt, bis er vollständig genutzt ist». Im Jahr 1998 seien in der Schweiz 207 vom Luchs gerissene Rehe und 94 Gemsen gefunden worden: «Die etwa 100 Luchse in den Alpen und im Jura benötigen pro Jahr knapp 5000 Rehe und etwa 1800 Gemsen, um überleben zu können.»

Der Wald profitiert

Jäger und Luchs können laut Buwal-Medienmitteilung  gemeinsam die Wildbestände lokal verkleinern: «Dies kommt dem Wald zugute, weil weniger Schäden an jungen Bäumen entstehen. «Eine Untersuchung im Auftrag des Buwal und des Berner Amtes für Wald habe entsprechende Hinweise geliefert: Oberhalb von Leissigen im Berner Oberland hätten die zahlreicheren Luchse und der verstärkte Abschuss durch die Jäger den Bestand von Rehen und Gemsen vermindert. Seit einiger Zeit könne sich sogar die für Schutzwälder besonders wertvolle Weisstanne wieder verjüngen, die in diesem Gebiet seit 30 Jahren nicht mehr aufgekommen sei.

Weniger Wildschweine – mehr Feldhasen

Besonders aufmerksam überwacht werden laut Medienmitteilung auch zwei Sorgenkinder. Bisher habe es so ausgesehen, als würden die Wildschweine und die von ihnen verursachten Schäden in der Landwirtschaft immer stärker zunehmen: «Anzahl Abschüsse, tot aufgefundene Tiere und geringere Schäden deuten jetzt aber auf eine Stabilisierung des Bestandes hin.» Demgegenüber habe der Feldhase in den letzten Jahrzehnten immer mehr abgenommen: «Nun lassen die Zahlen der Jagdstatistik wieder hoffen, sie zeigen einen leicht zunehmenden Trend.» Dies sei möglicherweise eine Wirkung der Ökologisierung der Landwirtschaft. Die Verbesserungen genügten aber noch nicht, um den Feldhasen in der Schweiz langfristig zu erhalten. Ein Überwachungsprojekt im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft und des Buwal soll dazu in den nächsten Jahren genauere Angaben liefern.

Schwierige Schätzungen

Die Schätzung der Bestände sei je nach Tierart eine sehr schwierige Aufgabe – vor allem bei Tieren, die im Wald lebten. Sie werde je nach Kanton anders gelöst: «Neben Zählungen geben auch die Tiere, die im Verkehr getötet werden, Hinweise auf Veränderungen in der Bestandesgrösse.» Alle Daten, die im Rahmen der jährlichen Jagdstatistik erhoben würden, könnten von Jahr zu Jahr schwanken – ein Trend lasse sich erst aus der Beobachtung mehrerer Jahre erkennen.

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