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Mittwoch, 19. Mai 1999

Hauptstrasse bei Faulensee wieder offen

Hochwassersituation im Kanton Bern: Schadensbegrenzung hat weiterhin Priorität

pkb/S. In den vom Hochwasser betroffenen oder neu gefährdeten Gebieten im Kanton Bern hat laut einem akutalisierten Situationsbericht der Kantonspolizei vom späteren Mittwochvormittag weiterhin die Schadensbegrenzung erste Priorität. Die Hauptstrasse Spiez–Interlaken über Faulensee ist nach Polizeiangaben am Dienstagabend um 20 Uhr für den Verkehr wieder geöffnet worden.

Aufgrund der Prognose der kantonalen Arbeitsgruppe «Schnee-Wasser» und der Wettervorhersage, wonach sich die Lage in den nächsten Tagen wieder zuspitzen werde, bestehe im Kanton Bern – siehe auch Situationsbericht «Erste Priorität hat die Schadensbegrenzung» von gestern Dienstag, 18. Mai 1999 – eine hohe Alarmbereitschaft, «insbesondere im ganzen Berner Oberland und entlang der Flüsse, aber auch im Seeland und im Amt Wangen». Laut dem Tagesbulletin der Landeshydrologie und -geologie (LHG) von heute Mittwochvormittag (in Klammern die Werte vom Vortag) sind die Wasserstände der Oberländer Seen weiter gefallen: Bei der Messstation Spiez fiel der Wasserspiegel des Thunersees auf 558,66 (558,80) Meter über Meer. Der in Ringgenberg gemessene Wasserstand des Brienzersees sank auf 564,82 (564,89) Meter. Wie berichtet, war bereits zwischen Samstagabend, 23 Uhr und Sonntagfrüh um 6 Uhr der Thunerseespiegel auf 559,13 Meter gefallen: Zuvor hatte der Pegel am Samstagnachmitttag gegen 13 Uhr 559,17 Meter über Meer erreicht – 87 Zentimeter über der Hochwassermarke von 558,30 Meter und 49 Zentimeter über dem vormaligen Jahrhunderthöchststand von 558,68 Meter am 17. Juni des Jahres 1910. Zwar war am Freitagnachmittag mit einer Kote von 565,11 Meter über Meer auch beim Brienzersee die Hochwassermarke von 565,10 Meter überschritten, doch wurde damit der bisherige Jahrhunderthöchststand von 565,33 Meter vom 16. Juni 1910 nicht erreicht.

Die Behinderungen auf den direkt entlang des Thunersees verlaufenden Strassen mit Ausnahme der Gwattstrasse seien weitgehend behoben: Am Dienstagabend um 20 Uhr sei auf Beschluss des Gemeindeführungsorgans Spiez auch die Hauptstrasse Spiez–Interlaken über Faulensee für den Verkehr wieder geöffnet werden.

Erdrutsche

Vereinzelt kommt es laut dem aktualisierten Situationsbericht zu Erdrutschen. So sei im Gebiet Gstaad–Turbach und Gstaad–Lauenen Sachschaden entstanden: «Personen wurden keine gefährdet.» Wie bereits gestern gemeldet, rutschte in Gündlischwand (Raum Säumertaverne) eine Böschung ab. «Die Jaunpass-Strasse ist im unteren Rohrmoos (Boltigen) auf einer Länge von etwa 15 Meter durch einen Erdrutsch unterspült.» Die Strasse sei an der betroffenen Stelle nur einspurig befahrbar. Der Erdrutsch im Heimersmad/Sparenmoosstrasse werde weiterhin durch die Wehrdienste überwacht. In Adelboden werde nach wie vor der Murgang im Raume Schärmtanne (Steigelschwand) überwacht. Die Lage könne nicht genau eingeschätzt werden. Vorsorglich seien acht Personen evakuiert worden.

Aaretal/Belp/Kehrsatz

Im Aaretal hat die Sperre der Durchgangsstrasse Kiesen–Jaberg und der Umfahrungsstrasse Oppligen–Kiesen–Jaberg nach Polizeiangaben aufgehoben werden können. Neu bestehe, wie ebenfalls bereits gestern berichtet, eine Verkehrsführung mit Lichtsignalanlage. Gesperrt blieben die Verbindungsstrasse Rubigen–Belp in Belp/Viehweid, die Schützenfahrbrücke in Münsingen (Verbindung Münsingen–Gerzensee–Belpberg), die Autobahnausfahrt Rubigen der Autobahn A6 aus Richtung Bern ebenso wie der Flughafen Bern–Belp und dessen Zufahrtsstrassen: «Nach heutiger provisorischer Einschätzung der Verantwortlichen kann der Linienflugverkehr im Laufe der nächsten Woche wieder aufgenommen werden.» Für Berechtigte sei die Zufahrt zum Flughafen möglich, insbesondere auch zum Abholen parkierter Fahrzeuge von Flugpassagieren. Die Autobahnraststätte Münsingen-Ost sei wieder offen.

Präventive Massnahmen im Seeland

Der gesamte Schiffsverkehr auf dem Nidau–Büren-Kanal ist nach Polizeiangaben vom Mittwoch ab sofort eingestellt. Je nach Entwicklung der Lage sei es möglich, dass auf das Wochenende hin die Schiffahrt auf dem Bielersee generell untersagt werde: «Die Seepolizei fordert die Bootsbesitzer erneut auf, die Vertäuung ihrer Boote zu kontrollieren und nötigenfalls die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen.» Bootsbesitzern, die dazu die Möglichkeit hätten, rate die Polizei, die Boote auszuwassern.

Im Amt Aarberg sind laut dem auf den Meldungen von Gemeinde- und Bezirksführungsorganen und dem Lagezentrum der Kantonspolizei Bern basierenden Situationsbericht vom späteren Mittwochvormittag die Aaredämme noch intakt. Die Überschwemmung im Landwirtschaftsgebiet in Brättelen (Gemeinde Radelfingen) habe immer noch eine Höhe von etwa zehn Zentimeter.

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