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Freitag, 14. Mai 1999

Pegel des Thunersees auf neuem Jahrhunderthöchststand

Die Hochwassersituation im Kanton Bern – Altersheim in Gwatt evakuiert

pkb/S. Ein Schwergewicht der Hochwasserschäden im Kanton Bern lag am Freitagmittag nach wie vor im Berner Oberland: In Gwatt musste nach Angaben von der Kantonspolizei ein Altersheim wegen des Hochwassers evakuiert werden. Die Autostrasse A8 Interlaken–Spiez sei am Freitagmorgen für mehrere Stunden gesperrt worden: «Wegen Belagsschäden in der Seebachunterführung musste die Autostrasse A8 in Fahrtrichtung Spiez von etwa 5 bis 10.30 Uhr gesperrt werden. Die Schiffahrt auf Thuner- und Brienzersee wurde laut Radiomeldungen wegen des hohen Wasserstandes eingestellt. Der Pegel des Thunersees erreichte am Freitagnachmittag einen neuen Jahrhunderthöchststand.

Wegen des hohen Wasserstandes auf Brienzersee und Thunersee ist die Schiffahrt eingestellt worden. – Bild: Bei der Schiffländte Interlaken Ost ist die Aare über die Ufer getreten. (Fotos: Peter Schmid)

S. Bei weiterhin steigender Tendenz stand der Pegel des  Thunersees heute Freitag, 14. Mai 1999 um 14 Uhr mit 558, 97 Meter bereits 29 Zentimeter über dem bisherigen Jahrhunderthöchststand vom 17. Juni des Jahres 1910. Die Hochwassermarke des Thunersees ist nach Angaben des kantonalen Wasser- und Energiewirtschaftsamtes bereits bei 558,30 Meter erreicht. Zwar ist mit einem Pegelstand von 565,11 Meter auch beim Brienzersee die Hochwassermarke von 565,10 Meter überschritten, doch ist damit der bisherige Jahrhunderthöchststand von 565,33 Meter vom 16. Juni 1910 noch nicht erreicht. Das ist nach Angaben des Wasser- und Energiewirtschaftsamtes vor allem der Rückhaltewirkung der Stauseen der Kraftwerke Oberhasli AG zu verdanken. – Die Kraftwerke Oberhasli AG mit Sitz in Innertkirchen betreibt nach eigenen Angaben im Grimselgebiet  – weitere Einzelheiten siehe auch Bericht «Hochspannungsleitung an der Grimselstrasse bald repariert» vom Dienstag, 11. Mai 1999 – eine der grössten Hochdruck-Speicherkraftwerk-Anlagen derSchweiz. Die technische Daten. Typ: Speicherkraftwerk und Umwälzwerk. Inbetriebnahme ab dem Jahr 1925 in sieben Etappen. Gesamtleistung etwa 1000 Megawatt (MW). Jahresproduktion (ohne Umwälzbetrieb) etwa 1650 Millionen Kilowattstunden (kWh).

Nasse Füsse gab es auch auf dem Campingplatz Sackgut am rechten Aareufer gegenüber der Schiffländte Interlaken Ost.

Zwischen Auffahrtabend und Freitagmittag sind bei den Einsatzzentralen der Kantonspolizei Bern – ohne die Stadt Bern – laut einem Communiqué vom frühen Freitagnachmittag  – siehe auch Bericht vom Donnerstag, 13. Mai 1999: «70 Prozent der Schadenmeldungen aus dem Oberland» – weit über 100 Meldungen im Zusammenhang mit dem Hochwasser eingegangen: «Der Grossteil betraf die Region Thun, wo die Wehrdienste das Wasser in zahlreichen überfluteten Kellern zu bekämpfen hatten.» In Gwatt habe das Altersheim «Seewinkel» in der Nacht evakuiert werden müssen. Rund 35 Personen seien ins Spital Thun verlegt worden. Zudem seien aus diesem Gebiet verschiedene Stromausfälle gemeldet worden: «Gefährdet ist auch die Trafostation im Gwatt.» Infolge Ausfalls der Abwasserpumpstation wurden nach Polizeiangaben weitere Evakuierungen vorbereitet. Das Schadengebiet Gwattstrasse/Seestrasse sei für jeden Verkehr gesperrt; die Kantonspolizei Bern empfehle den Automobilisten, die Stadt Thun grossräumig zu umfahren. In Steffisburg mache den Verantwortlichen die Zulg Sorgen.

Wehrdienste aufgeboten

Von der Regionalen Einsatzzentrale Thun aus aufgeboten wurden laut Medienmitteilung unter anderem die Wehrdienste von Därligen, Einigen, Heimberg, Hünibach, Interlaken, Leissigen, Oberhofen, Spiez, Steffisburg und Uttigen. Die Sperrung der Strasse ins Diemtigtal habe aufgehoben werden können. In Brienz stand nach Angaben der Kantonspolizei am Morgen der Campingplatz unter Wasser, und in Hasliberg sei der Dorfbach über die Ufer getreten. In Interlaken, Bönigen und Unterseen seien unter anderem zwei Campingplätze sowie verschiedene Wohn- und Ferienhäuser betroffen. In Frutigen hätten Keller ausgepumpt werden müssen. Im Raum Schärmtanne (Adelboden) werde ein Rutschgebiet durch den Zivilschutz überwacht: «In Zweisimmen wird nach einem Murgang im Betelriedgraben ausgebaggert.»

Auf dem Campingplatz Sackgut in Interlaken stehen grössere Teile des Areals unter Wasser.

Das extreme Hochwasser der Aare habe dazu geführt, meldete die Kantonspolizei im weiteren, «dass in Muri, Wabern, Ittigen, Zollikofen und Bremgarten Gehwege überschwemmt und gesperrt wurden». Zu Wassereinbrüchen sei es beim Restaurant «Fähri-Beizli» in Muri und dem Restaurant Quelle in Reichenbach gekommen: «In Muri kam es zu einem kleineren Dammbruch, zudem steht das Schwimmbad unter Wasser.» Entlang dem Wohlensee sei Kulturland überschwemmt worden. Die Wehrdienste Kirchberg mussten laut Kantonspolizei wegen Problemen am Emmeufer im Bereich «Sandecken» aufgeboten werden. Einzelne Schadenmeldungen seien aus verschiedenen Gemeinden des Aare- und des Emmentals eingegangen. Auf der Strecke Lanzenhäusern–Albligen sei der Verkehr auf der Hauptstrasse wegen kleineren Erdrutschen zeitweilig behindert gewesen. Im Bereich des Hagneckkanals seien Beobachungsposten im Einsatz.

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