Montag, 17. Mai 1999
Höhepunkt voraussichtlich am Donnerstag/Freitag
Fachleute erwarten eine neue neue Hochwasserwelle
aid/pero/S. Die Hochwassersituation im Kanton Bern bleibt kritisch: Die vom Kanton eingesetzte Arbeitsgruppe «Schnee-Wasser» sagt laut einem Communiqué für die kommenden Tage erneut hohe Zuflüsse von Schmelz- und Niederschlagswasser in die Oberländer Seen voraus. «Ab Mittwochmittag, 19. Mai 1999, ist deshalb von Seiten der Führungsorgane im ganzen Berner Oberland und in den Gemeinden entlang der Flüsse höchste Alarmbereitschaft erforderlich, wie die Arbeitsgruppe mitteilt.»
Für morgen Dienstag rechne die Arbeitsgruppe «Schnee-Wasser» mit hohen, wieder zunehmenden Schmelzwasserzuflüssen in den Thuner- und Brienzersee, heisst es im weiteren: «Infolge der prognostizierten intensiven Niederschläge (auch Gewitter) am Mittwoch und verbreiteten Niederschlägen bei einer Nullgradgrenze von generell über 2500 Metern am Donnerstag spitzt sich die Lage zu: Die Zuflüsse in die Seen dürften in der gleichen Grössenordnung wie am 12. Mai 1999 oder sogar eher höher liegen.» (Siehe dazu unter anderem die Berichte «Pegel des Thunersees auf neuem Jahrhunderthöchststand» vom Freitag, 14. Mai 1999, und «Die kritische Lage wird noch einige Zeit andauern» vom Sonntag, 16. Mai 1999). Die Wassermengen erreichten voraussichtlich am Donnerstag/Freitag ihren neuen Höhepunkt: «Anschliessend werden sie aufgrund der leicht sinkenden Temperaturen tendenziell zurückgehen.» Mit zusätzlichen Aktivitäten und damit Gefahren sei auch an den Wildbächen und Hängen zu rechnen. Die Arbeitsgruppe weise weiter darauf hin, «dass in den nächsten Tagen auch mit grossen Geschiebefrachten zu rechnen ist».
Zivilschutz Heimberg lässt Innertkirchen nicht im Stich
Trotz Einsatz in der eigenen Gemeinde lässt der Zivilschutz Heimberg die lawinengeschädigten Landwirte in Innertkirchen nicht im Stich: Wie geplant – siehe auch «Der Heimberger Zivilschutz räumt im Urbachtal» vom 10. Mai 1999 – ist heute Montag nach Angaben von Roland Peter, Dienstchef Nachrichten, ein Detachement ins Urbachtal gefahren um dringend notwendige Aufräumarbeiten zu leisten. Eine weitere Gruppe Zivilschützer habe gestern Sonntag die Heimberger Feuerwehr abgelöst, die seit letztem Freitag pausenlos gegen das Hochwasser kämpfte.
«Der Zivilschutz Heimberg wagt den Spagat», heisst es in einem Medienbericht: «In der eigenen Region kämpft man gegen das Hochwasser und trotzdem soll die versprochene Hilfe im Haslital geleistet werden. Das haben die Verantwortlichen gestern entschieden, wie Alfred Blaser, Chef der Zivilschutzorganisation Heimberg (ZSO) auf Anfrage bestätigte.» Dieses Vorgehen sei auch vom regionalen Bezirksführungsorgan in Thun ohne Opposition zur Kenntnis genommen worden.
Vom Freitagmorgen bis Samstagabend seien in Heimberg durchgehend 18 Feuerwehrleute im Einsatz, um Schadensbegrenzung zu leisten. Dann sei klargeworden, dass die Feuerwehr Heimberg den Dauereinsatz mit eigenen Mitteln nicht mehr habe bewältigen können, «um so mehr als sechs Mann dem Bezirksführungsorgan Thun abgegeben werden mussten und der Pikettzug für weitere Notfalleinsätze in Reserve blieb». Gestern Sonntag habe der Zivilschutz auf Begehren hin die Einsatzleitung wie auch die Bekämpfung des Hochwassers übernommen. Dieser Einsatz ist laut Medienbericht vorläufig bis nächsten Freitag befristet: «Die Fachleute rechnen damit, dass sich die Situation vor Pfingsten kaum beruhigen wird.»
Trotz den vordringlichen Diensten im eigenen Dorf will der Zivilschutz Heimberg sein Versprechen einlösen und den Einsatz im Haslital leisten, heisst es in dem Medienbericht: «Wir lassen Innertkirchen nicht im Stich», habe Alfred Blaser, Chef der Zivilschutzorganisation (ZSO) Heimberg, am Sonntagnachmittag an einem Rapport des Bezirksführungsorgans Thun betont. Das Personal werde je nach Bedarf eingesetzt. Ein grösseres Detachement der ohnehin zum Dienst aufgebotenen 60 Zivilschützer fuhr – wie der Dienstchef Nachrichten auf Anfrage bestätigte – heute Montag nach Innertkirchen, während eine Gruppe von rund 15 Mann zur Schadensbekämpfung in Heimberg geblieben sei. «Wir sind flexibel», hielt laut Mediencommuniqué fest: «Sollte sich die Situation in Heimberg verschärfen, dann werden wir zusätzliches Personal abkommandieren, das innert einer Stunde vor Ort einsatzbereit ist.» Dieses Vorgehen sei übrigens auch möglich, weil die Hilfe in der Region Thun bestens organisiert und angelaufen sei.
Staubsauger als WasserpumpeZurück an den Seitenanfang
pero. Als direkte Folge des Hochwassers musste der Pikettzug der Feuerwehr Heimberg am Samstagmorgen ausrücken: Im CIS Heimberg hatte sich ein Industriestaubsauger entzündet, der von Privatpersonen zum Wasserpumpen eingesetzt worden war. Dabei entwickelten sich hochgiftige Dämpfe. Der Atemschutz hatte das Feuer rasch unter Kontrolle und konnte grösseren Schaden verhindern. Bei dieser Aktion wurde zum Glück niemand verletzt.