Samstag, 27. Februar 1999
Sieben Kilometer «Schlitzrinnen» in vier Strassentunnels
Autostrasse A 8: «Nachrüstung» soll Explosionsrisiken vermindern
aid/S. Die Autostrasse A 8 zwischen Interlaken West und Brienzwiler soll für den Transport von gefährlichen Flüssigkeiten auf den heute geltenden Sicherheitsstandard umgebaut werden: Damit werde das Gefahrenpotential deutlich vermindert, teilte das kantonale Tiefbauamt in einem Communiqué mit: Die Arbeiten begännen übermorgen Montag, 1. März, im Rugentunnel. Jeweils eine der beiden Tunnelröhren der Umfahrung Interlaken soll während der Bauarbeiten gesperrt und der Verkehr durch die andere Röhre geführt werden: «Wann die Arbeiten in den drei Tunnels am Brienzersee aufgenommen werden können, ist abhängig von der Entwicklung der Lawinensituation entlang dem Brienzersee.»
Ostportal
des Rugentunnels der Autobahn A 8: Während den Bauarbeiten soll
jeweils eine der beiden Tunnelröhren der Umfahrung Interlaken gesperrt
und der Verkehr durch die andere Röhre geführt werden. (Foto:
Peter Schmid)
Beginnend mit dem Rugentunnel bei Interlaken sollen im Laufe dieses Jahres laut Communiqué auch die drei Tunnels am Brienzersee mit Schlitzrinnen versehen werden: «Bei einem Unfall werden somit künftig gefährliche Flüssigkeiten durch diese Rinnen ins geschlossene Entwässerungssystem der Autostrasse abgeleitet.» Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben des kantonalen Tiefbauamtes auf rund 4,5 Millionen Franken. Der Verkehr werde während der Bauarbeiten etwas behindert: «Wann die Arbeiten in den drei Tunnels am Brienzersee aufgenommen werden können, ist abhängig von der Entwicklung der Lawinensituation.»
In Tunnels von Strassenzügen, die in der Schweiz für den Transport von gefährlichen und giftigen Flüssigkeiten freigegeben seien, müssten am tieferliegenden Fahrbahnrand sogenannte Schlitzrinnen eingebaut sein, wird dazu im einzelnen ausgeführt: «Damit können Flüssigkeiten, die bei einem Unfall auslaufen, dem Quergefälle der Fahrbahn folgend in den Schlitz der Rinne fliessen.» Sie würden damit dem geschlossenen Entwässerungssystem der Strasse zugeleitet. «Mit dieser technischen Massnahme wird das Verdampfen gefährlicher Flüssigkeiten auf geringe Mengen reduziert und das Risiko von Explosionen oder Vergiftungen durch Einatmen der Dämpfe minimiert.» Durch weitere technische Einrichtungen wie Abscheider, Kanalschieber und Auffangbecken sowie den Einsatz der Ölwehr werde der Abfluss der gefährlichen Flüssigkeiten in die Gewässer verhindert.
In den nächsten Wochen und Monaten soll nun auch die In den Jahren 1982 bis 1987 gebaute Autostrasse A 8 zwischen Interlaken und Brienzwiler in den Tunnelbereichen entsprechend nachgerüstet und damit den heutigen Sicherheitsstandard für einen Transportweg für gefährliche Flüssigkeiten erreichen. Damit soll auch ein Gefahrenpotential beseitigt werden, auf das verschiedentlich mit politischen Vorstössen aus der Region hingewiesen worden sei.
Möglichst kurze Dauer der Verkehrsbehinderungen
Beim Projekt «Schlitzrinnen A 8» ist laut Medienmitteilung alles unternommen worden, um die Bauzeit sehr kurz und die Behinderungen damit in Grenzen zu halten: «Der Einbau der Schlitzrinnen in den vier Tunnels von insgesamt sieben Kilometern Länge ist allerdings nicht ohne Verkehrsbehinderungen möglich.» Die Vorgaben des kantonalen Tiefbauamtes (TBA) seien so knapp ausgelegt, dass die beauftragten Unternehmungen durchgehend Tag und Nacht im Schichtbetrieb arbeiteten. Im entsprechenden Vertrag gelange erstmals im Kanton Bern das System der «Strassenmiete» zur Anwendung: «Dies bedeudet, dass der Auftragnehmer vom Kanton für seine Arbeiten einen vertraglich vereinbarten Preis erhält.» Gleichzeitig lege der Vertrag auch fest, dass der Auftragnehmer den betreffenden Strassenabschnitt zu einem festen Tagespreis von 9000 Franken miete: «Werden die Bauarbeiten rascher ausgeführt als vertraglich vereinbart, realisiert er einen Gewinn, andernfalls resultiert für ihn ein Verlust in der Höhe der täglichen Strassenmiete.» Damit werde ein finanzieller Anreiz für eine möglichst kurze Dauer der Arbeiten geschaffen. Das Unternehmer-Konsortium (Ziag, Astrada, Stettler, CPK, Gerber und Troxler) beabsichtige, für den Aushub des Rinnengrabens eine Spezialfräse aus Deutschland einzusetzen: «Das Fräsenungetüm soll den massgenauen Aushub von 42 Zentimetern Breite, 72 Zentimetern Tiefe und mit einer Leistung von 25 Metern pro Stunde in einem Arbeitsgang ausführen.» Das Verfahren mit dieser Spezialmaschine sei in einem Test im Giessbachtunnel vorher eingehend erprobt und geprüft worden.
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