Berner Oberland News
Montag, 29. Dezember 1997
Mit Nischenprodukten auf den freien Markt
Der SF-Betrieb Interlaken diversifiziert mit Kunststoffspritzguss
S. Um auf dem Markt bestehen zu können und nicht zuletzt um die zurzeit insgesamt 227 Arbeitsplätze in Interlaken erhalten und vielleicht sogar neue schaffen zu können, sucht der Betrieb Interlaken der Schweizerische Unternehmung für Flugzeuge und Systeme (SF) unter anderem mit neuen Produkten aus Kunststoffspritzguss den Erfolg in Marktnischen. Wie die übrigen Rüstungsbetriebe des Bundes soll auch der SF-Betrieb Interlaken auf 1. Januar 1999 in eine gemischtwirtschaftliche Aktiengesellschaft des privaten Rechts umgewandelt werden.
Mit
Nischenprodukten in die privatwirtschaftliche Zukunft. Von links nach rechts
der Interlakner SF-Bereichsleiter Avionik und Geräte, Heinz Rohrbach,
Andreas Hirschi, Leiter Kunststoff, Alfred Abrecht, stellvertretender Leiter
Dienste, und der an der Entwicklung einer neuen Mikrotiterplatte beteiligte
Maschineningenieur und Konstrukteur Andreas Wellenreiter.
Etwelche Chancen, auf dem Markt bestehen zu können, sieht der Interlakner
SF-Bereichsleiter Avionik und Geräte, Heinz Rohrbach, in einer bereits
in Vorserie hergestellten und praktisch marktreifen neuen Mikrotiterplatte:
Anders als bei herkömmlichen Produkten werde mit den neuen Platten
vermieden, dass sich bei wässrigen Lösungen eine gekrümmte
Probenoberfläche bilde, die Messresultate und Bilder verfälsche.
Aufbauend auf einer früheren Zusammenarbeit zwischen dem AC-Labor
Spiez und der SF Avionik und Geräte auf dem Gebiet des Kunststoffspritzens
sei durch die Spezialisten beider Organisationen aus der Gruppe Rüstung
eine spezielle Mikrotiterplatte «Microplate WIM» (Without Interfering
Meniscus) entwickelt worden. Mikrotiterplatten würden in der modernen
Laboranalytik in Chemie, Biologie und Medizin für verschiedenste Zwecke
eingesetzt, unter anderem für fotometrische Bestimmungen mit sichtbarem
oder ultraviolettem Licht oder in Zellkulturlabors etwa für Cytotoxizitätsbestimmungen
und Zellklonierung.
Andreas
Hirschi an der grossen Kunststoffspritzmaschine «Engel».
Zu den Hauptaufgaben des SF-Betriebes Interlaken – Standortgemeinde ist
Wilderswil – gehören nach wie vor Unterhalt und Reparaturen an den
Geräten aller in der Schweizer Armee verwendeten Flugzeugtypen, das
heisst von Helikoptern des inzwischen schon über 30 Jahre alten Typs
Alouette-III bis hin zum modernen, mit Elektronik vollgepackten Kampfflugzeug
F/A-18 «Hornet», darunter Navigations-, Funk-, Radar- und Freund-Feind-Erkennungsgeräte.
Aber auch Bordwaffen sowie mechanische, elektromechanische, hydraulische
und pneumatische Geräte werden in Interlaken repariert und überholt.
Nicht
nur Produkte aus Kunststoffspritzguss werden in Interlaken hergestellt
– auch die hiefür notwendigen Werkzeuge können entwickelt und
hergestellt werden. – Bild: Eine computergesteuerte Fräsmaschine.
Im SF-Betrieb Interlaken werden Präzsisionsteile aus Kunststoffspritzguss
für verschiedenste Anwendungen und in vielen Farben – unter anderem
Zahnräder und Scharniere – in Grössen von wenigen Millimetern
bis zu etwa 30 Zentimeter hergestellt. Vorne Links im Bild die neu entwickelten
Mikrotiterplatten mit transparenten Einsätzen.