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Axalp: Spuren hochmittelalterlicher Pferchwirtschaft entdeckt 

aid/bns. Dendrochronologische das heisst jahrringanalytische Untersuchungen am Holz zweier Melkhütten auf der Alp «Litschentellti» auf Axalp ob Brienz haben gezeigt, dass die beiden Hütten im Jahr 1501 beziehungsweise im Jahr 1519 gebaut wurden. Bei Testgrabungen durch den Archäologischen Dienst des Kantons Bern sind jetzt laut einer kürzlich verbreiteten Medienmitteilung  in unmittelbarer Nachbarschaft – erstmals im Kanton Bern – Spuren der ins Hochmittelalter zurückreichenden Pferchwirtschaft entdeckt worden.

Auslöser der Aktivitäten des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern auf der Axalp war der Beschluss der Bergschaft Axalp, eine der beiden uralten Melkhütten von der Alp «Litschentellti» ins Schweizerische Freilichtmuseum auf dem Ballenberg zu transferieren. Im Jahre 2001 wurden die beiden Bauten untersucht und konnten durch die Dendrochronologie in die Jahre 1501 beziehungsweise 1519 datiert werden. Sie sind die bislang ältesten bekannten Melkhäuschen im Berner Oberland. Dabei wurden im Umgelände nicht nur weitere Hüttenstandorte festgestellt und vermessen, sondern eine komplette Vorgängersiedlung wieder entdeckt. Oberhalb der Flur «Chüemad» fiel den Archäologen im Gelände und noch deutlicher bei der Auswertung von Flugbildern ein System von Trockenmauern und Ruinen von Hütten auf. In der mündlichen Überlieferung heisst der Ort «Bärengehege». 

Von den über 3000 heute im Kantonsgebiet bekannten archäologischen Fundstellen befinden sich nur etwa 30 über 1500 Meter über Meer. Das kann kaum den historischen Tatsachen entsprechen, wenn man die Bestände in den Nachbarregionen der Innerschweiz oder des Wallis vergleicht. Das seit dem Jahr 2001 geltende kantonale Denkmalpflegegesetz verpflichtet auch den Archäologischen Dienst zur Vervollständigung des Inventars. Eine erste archäologische Kampagne galt daher diesen Sommer der topografischen Aufnahme des gesamten Geländes und einer kurzen Testgrabung. Damit verlässt der Archäologische Dienst nicht etwa sein Grundprinzip der Notgrabungen, sondern er will mit einer Testgrabung feststellen, wie gut geschützt die allenfalls noch vorhandenen archäologischen Schichten und Befunde sind. Es geht darum, das Gefährdungspotential der Stätte zu bestimmen, denn nur was man kennt, kann man auch schützen. 

Befunde der Grabungen

Zwischen den Fluren «Chüemad» und «Oberboden» fällt ein grosses Areal von rund 2500 Quadratmetern Fläche auf, das mit zusammengetragenen Blöcken ummauert worden ist. Im Innern finden sich Versturzreste von geschickt den Schutz von Felsbrocken nutzenden Unterständen sowie Grundmauern freistehender Hütten und Pferchareale. Bislang konnten im Gelände sieben bis acht Pferche sowie mindestens elf Hüttengrundrisse ausgemacht und im Plan erfasst werden. Bei den Pferchen handelt es sich um mit Trockenmauern umschlossene Areale. Ihr Grundriss ist unregelmässig, weil die Umfassungsmauern geschickt bereits vorhandene grosse Sturzblöcke mit Trockenmauern verbinden und damit gleich zweierlei erreichen: Materialersparnis beim Bau und möglichst grosse steinfreie Flächen, in denen das Gras wachsen kann. Die Hütten sind quadratische Einraumhütten von zwei bis vier Metern Seitenlänge, ebenfalls aus Trockenmauern gefügt. 

Bedeutung und Einordnung

Beim Pferchsystem «Bärengehege» handelt es sich um den ersten im Kantonsgebiet erfassten Zeugen der ins Hochmittelalter zurückreichenden Pferchwirtschaft: Vergleiche mit den von Werner Meyer erforschten Anlagen von «Spilblätz» auf der Charetalp (Kanton Schwyz), dem «Ämpächli» in Elm (Kanton Glarus) und der «Blumenhütte» ob Hospental (Kanton Uri) sind nahe liegend. 

Kleinfunde sind äusserst rar; ein Abschnitt einer Eisenkette sowie ein Schlüsselfragment und einige Tierknochen sind die im Areal «Bärengehege»: gefundenen, spärlichen Zeugnisse einer Hirtenschaft, die wohl nie wesentlich mehr an mobilen Gütern besass als das grosse Chäschessi und einige Näpfe, letztere wohl aus Holz und, falls unbrauchbar geworden, in letzter Verwendung zum Anfeuern gebraucht. Die Datierung des Platzes ist daher vorderhand offen. Es ist anzunehmen, dass es sich um den Vorläufer der Alpsiedlung «Litschentellti» und damit um einen Zeugen des 12. bis 15. Jahrhunderts handelt. 

Die Gebiete über der Waldgrenze wurden seit prähistorischer Zeit begangen und genutzt. Das hat nicht erst der Fund von Ötzi bekannt gemacht, aber wieder in Erinnerung gerufen. Das Interesse an den unbewaldeten Zonen dürfte zunächst der Gewinnung von Rohstoffen gedient haben. Am besten bekannt sind in unserer Region die bis 2000 Meter über Meer gelegenen Erzabbaustellen im hinteren Lauterbrunnental. Bekannt ist ausserdem, dass die landwirtschaftliche Weidewirtschaft oberhalb der Waldgrenze spätestens dann eingesetzt haben muss, als die auch für Acker-, Obst-, Wein- und Gartenbau genutzten Flächen im Talboden nicht mehr ausreichten. Auf Grund der Schriftquellen ist dies seit karolingischer Zeit (9. Jahrhundert) der Fall. Neueste Forschungen im Wallis haben allerdings ergeben, dass zum Teil. bereits in der Eisenzeit alle Höhenzonen genutzt worden sein müssen. Ähnliches ist auch für die Axalp anzunehmen: Eine bereits vor dem Jahr 1950 im Umgelände gefundene frühbronzezeitliche Dolchklinge legt diesen Schluss nahe. 

Im Hochmittelalter ist zunächst vor allem das so genannte Pferchsystem für Schafe und Ziegen bekannt, das heisst mit Trockenmauern gesicherte Gehege. Dazu gehört das «Bärengehege» auf Axalp. Ab dem 13. Jahrhundert überwiegt allmählich die Rinderzucht und die Milchwirtschaft. Die für die städtischen Märkte bestimmte Käseherstellung gewinnt zunehmend an Bedeutung und wird spezialisiert; Zeugen sind die Melkhäuschen der Axalp aus den Jahren 1501 und 1519.


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