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«Spatenstich» in Burglauenen: Wasserfassungsanlage für das Kraftwerk Lütschental wird erneuert

S. Baubeginn für die Teilerneuerung des vor bald hundert Jahren im Zuge der Elektrifizierung von Wengernalpbahn und Berner Oberland-Bahn erbauten Kraftwerks Lütschental: Mit dem von Jungfraubahnen-Verwaltungsratspräsident Riccardo Gullotti an den Schalthebeln eines Baggers am späteren Dienstagnachmittag ausgeführten «Spatenstich» haben die Bauarbeiten für die Erneuerung der Wehr- und Wasserfassungsanlage Burglauenen auch offiziell begonnen.

Das im Jahr 1908 in Betrieb genommene Bahnkraftwerk Lütschental wird im Verlauf der kommenden anderthalb Jahre  mit Gesamtkosten von rund 15 Millionen Franken teilerneuert. – Bild: Die baufällige Wasserfassung in Burglauenen.  (Bilder Peter Schmid)

Mit Hilfe provisorischer Umleitungen respektive behelfsmässigen Inbetriebnahmen von Anlageteilen soll eine teilweise Nutzung des Betriebswassers auch während der rund anderthalbjährigen Bau- und Montagezeit möglich sein. Neben den Baukosten von rund 13 Millionen Franken ist nach Angaben von Walter Steuri, Vorsitzender der Jungfraubahnen-Geschäftsleitung mit Kosten wegen der Stromproduktionsausfälle in Höhe von rund zwei Millionen Franken zu rechnen. Im Hinblick auf die am 2. Dezember 1999 vom Grossen Rat des Kantons Bern bewilligte Konzessionsverlängerung um weitere 80 Jahre – siehe dazu auch Abschnitt Erneuerung Kraftwerk Jungfraubahn im Bericht Ausfälle im Lawinenwinter im Sommer kompensiert / Jungfraubahn Holding AG: Konzerngewinn eine Million Franken über dem Vorjahr vom Samstag, 20. Mai 2000 – ist namentlich die Erneuerung der baufälligen Wasserfassung in Burglauenen vorgesehen. Mitte Juni 2005 soll die neue Wehr- und Fassungsanlage definitiv in Betrieb genommen werden.

Jungfraubahnen-Verwaltungsratspräsident Riccardo Gullotti als Baggerführer beim «Spatenstich» am Dienstagabend in Burglauenen.

Die Wehranlage, die Wasserfassung und die Entsanderanlage des in den Jahren 1906 bis 1908 gebauten Hochdrucklaufkraftwerks sollen in zwei Etappen abgebrochen und neu erstellt werden. Die nutzbare Wassermenge soll wie bis anhin sechs Kubikmeter in der Sekunde betragen, die Fallhöhe unverändert etwa 160 Meter und die maximal mögliche Leistung ab Generator 5,9 Megawatt (MW). Die Restwassermenge soll von 250 auf 400 Liter in der Sekunde erhöht und mit einer Dotierwasserturbine genutzt werden. Die Turbine, mit der die Restwassermenge geregelt wird, soll bei einer Generatorenleistung von 18,8 Kilowatt (kW) bei einer mittleren Betriebsdauer von etwa 5000 Stunden (sieben Monate) jährlich rund 80’000 Kilowattstunden (kWh) Strom liefern. Die Staukote im Oberwasser und die Ausbauwassermenge des Kraftwerks Lütschental bleiben laut Technischem Bericht unverändert: «Die Staukote beträgt 892,6 Meter über Meer (neu konstant) und die Ausbauwassermenge sechs Kubikmeter in der Sekunde.» Wegen der höheren Dotierwassermenge rechnet die Jungfraubahn AG mit einer um 1,1 auf 35,3 Gigawattstunden (GWh) verminderten Jahresstromproduktion. Davon entfielen auf den Winter 9,7 und auf den Sommer 25,6 Gigawattstunden. Die gesamte installierte Leistung der fünf durch Peltonturbinen angetriebenen Drehstromgeneratoren soll nach dem Umbau unverändert 5,956 Megawatt betragen. 

Bei grosser Wasser- und Geschwemmselführung der Lütschine drohte bei der heutigen Wehr- und Fassungsanlage die Gefahr des Verstopfens und Verklemmens der Wehröffnungen. (Archivbild Peter Schmid)

Die wesentlichen Elemente des Erneuerungsprojektes sind nach Angaben der Jungfraubahnen:

– Neues Wehr in der Lütschine, bestehend aus zwei Öffnungen von je sieben Meter Breite, einem Mittelpfeiler und je einem Widerlager links- und rechtsufrig. Als Verschlussorgane werden hydraulisch betätigte Segmentschützen mit aufgesetzten Klappen eingebaut. Die Brücke über das Wehr dient in Zukunft auch dem Anwohnerverkehr. Die bestehende Brücke wird abgebrochen.

– Absenkung der Lütschinensohle im Staubereich zwecks Anpassung an die neue, tieferliegende Sohle des Segmentwehrs.

– Iinksufrig angeordnete Wasserfassung, ausgerüstet mit einem Grobrechen und anschliessender Kiesfangrinne. Vor den beiden Entsanderbecken wird je ein Feinrechen eingebaut. Das angeschwemmte Rechengut wird mittels einer fahrbaren Reinigungsmaschine aus dem Wasser gehoben und in einer Mulde zur Entsorgung bereitgestellt.

– Zwei längs durchflossene, überdeckte, zirka 40 Meter lange Entsanderbecken, mit einer Kapazität von je drei Kubikmeter in der Sekunde.

– Steuergebäude zum Unterbringen der erforderlichen Betriebseinrichtungen, wie hydraulische Antriebseinheit und Steuerschränke. Im Untergeschoss werden zudem die Dotierwasserleitung und eine Abwasserpumpstation der Gemeinde Grindelwald eingebaut.

– Einrichtung zur Abgabe einer ganzjährlich konstanten Dotierwassermenge von 400 Liter in der Sekunde.

– Am rechten Lütschineufer wird der für den eventuellen späteren Bau einer Fischtreppe erforderliche Platz reserviert.

Die aktuelle maximale Staukote beim Wehr soll auch inskünftig beibehalten werden. Die Entnahme-Wassermenge bleibt mit sechs Kubikmeter in der Sekunde ebenfalls unverändert. Das neue Wehr erlaube inskünftig die Abfuhr eines 1000jährlichen Hochwassers – entsprechend zirka 160 Kubikmeter in der Sekunde – selbst bei einer geschlossenen Wehröffnung. Die übrigen Anlageteile wie Zuleitungsstollen, Druckleitung und Zentralengebäude sollen unverändert weiterbetrieben werden. Im Wasserschloss werde zur raschen Ableitung des nachströmenden Wassers im Fall von Schnellabschaltungen ein Saugheber eingebaut: «Das entlastete Wasser fliesst via bestehende Überlaufleitung in die Lütschine zurück.»

In den frühen vergangenen Jahrhundert gebaut

Ohne eigene Stromproduktion wäre das Projekt der Jungfraubahn von Adolf Guyer-Zeller nicht möglich gewesen, verlautete gestern Dienstag am «Spatenstich» in Burglauenen. Der Eisenbahnpionier – siehe auch Eisenbahnkönig und Schöpfer der Jungfraubahn vom Freitag, 2. April 1999 – habe voll auf die Elektrizität als Energie der Zukunft für den Bau und den Betrieb der Jungfraubahn gesetzt. Zeitgleich mit dem Bau der Bahn im Jahr 1896 sei auch das Kraftwerk Lauterbrunnen entstanden: «Doch dieses genügte auch den bescheidenen Ansprüchen nur knapp.» Aus diesem Grund habe die Jungfraubahn eine Konzession an der schwarzen Lütschine im Grindelwaldtal zur Ausnützung der Gefällestufe zwischen Burglauenen und Lütschental erworben. In den Jahren 1906 bis 1908 wurde laut einer Medieninformation im Auftrag der Jungfraubahn AG das heutige Wasserkraftwerk an der Schwarzen Lütschine gebaut. Im Laufe der Zeit seien immer wieder kleinere und grössere Erneuerungs- und Modernisierungsarbeiten ausgeführt worden, ohne jedoch die Bausubstanz grundsätzlich zu verändern. Das bisherige Wehr zur Stauhaltung und Regulierung der Lütschine umfasse zwei mit Zahnstangen bewegte Tafelschützen von je sechs Meter und eine Grundablass-Schütze von drei Meter Öffnungsweite. Der Lütschine seien in den Sommermonaten maximal rund sechs Kubikmeter Betriebswasser in der Sekunde entnommen worden. Das Kraftwerk der Jungfraubahn versorge die Jungfraubahn, die Wengernalpbahn (WAB), die Berner Oberland-Bahn (BOB) einschliesslich die Schynige-Platte-Bahn (SPB), die Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren (BLM) und die Wintersportanlagen im Gebiet Kleine Scheidegg. Zu den wichtigen Abnehmern gehörten auch die Gemeinden Lütschental und Gündlischwand sowie das lokale Netz von Burglauenen (Gemeinde Grindelwald). Ein Netzverbund mit der BKW-FMB Energie AG garantiere eine lückenlose Versorgung. Diese sei besonders dann von grosser Bedeutung, wenn der Wasserstand der Lütschine im Winter stark zurückgehe. 

Schwachstellen der bestehenden Wehr- und Fassungsanlage

Die bald hundertjährige Anlage weist nach Angaben der Jungfraubahnen  verschiedene betriebliche und sicherheitstechnische Mängel auf. Unter anderem werden genannt:

– Ungenügende Entsandungswirkung des flachen, turbulent durchströmten Beckens. Bei den langen Spülmanövern geht zudem viel Betriebswasser verloren.

– Bei grosser Wasser- und Geschwemmselführung der Lütschine besteht die Gefahr des Verstopfens und Verklemmens der Wehröffnungen.

– Die schlanken Wehrpfeiler werden bei Hochwasser-Durchfluss zu Schwingungen angeregt.

– Personalintensiver und zum Teil gefährlicher Betrieb und aufwendige Wartung der Anlage.

Diese Mängel hätten die Jungfraubahn AG bewogen, im Januar 1987 bei der Ingenieurunternehmung Colenco eine Erneuerungsstudie in Auftrag zu geben: «Der Projektentwurf Colenco wurde im Juli 1990 an der Versuchsanstalt für Wasserbau der ETH Zürich (VAW) anhand eines Modells im Massstab 1:15 untersucht und optimiert.» Im Laufe des Winters 2002/03 sei das Projekt durch die Abteilung Engineering Kraftwerke der BKW noch einmal in verschiedenen Punkten überarbeitet und anschliessend öffentlich aufgelegt worden.

Vorerst kein Fischpass

Auch weiterhin sehe das Projekt keinen Fischpass beim Wehr vor, verlautete im weiteren: Die Vertreter des Fischereiinspektorats und der beauftragte Fischökologe hätten – im Zusammenhang mit einem Bedürfnisnachweis für einen Fischpass – schon früher darin übereingestimmt, dass eine Forderung für die Realisierung eines Fischpasses beim Wehr im Sinne des Bundesgesetzes über die Fischerei als unverhältnismässig einzustufen sei: «Die Beurteilung der natürlichen Gefällstufen bei verschiedenen Abflusszuständen – ausgenommen bei Spitzenabflüssen – ergab, dass unter den heutigen Verhältnissen ein Aufstieg der Restwasserstrecke auch von kapitalen und leistungsfähigen Seeforellen unwahrscheinlich ist.»


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