Berner Oberland News
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Montag, 29. Mai 2000

«Im Vergleich mit Leukerbad nicht dramatisch»

Die finanzielle Situation von acht Tourismusgemeinden im Berner Oberland

aid. Die finanzielle Situation der Tourismusorte im Berner Oberland gibt keinen Anlass für ein Einschreiten des Kantons. Allerdings könnten laut einer Medienmitteilung auch bernische Tourismusgemeinden in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn sie ohne klare Strategie grosse Investitionen in die Tourismusinfrastruktur tätigen würden: «Zu diesem Schluss kommt eine Studie des kantonalen Amtes für Gemeinden und Raumordnung.» Geprüft worden seien die Gemeinderechnungen von Adelboden, Grindelwald, Hasliberg, Lauterbrunnen, Lenk, Meiringen, Kandersteg und Saanen.

Unter den acht geprüften Oberländer Tourismusgemeinden wurde auch Lauterbrunnen unter die Lupe genommen. (Foto: Peter Schmid)

Der Fall des Walliser Kurorts Leukerbad habe auch im Kanton Bern Fragen über die finanzielle Situation der Tourismusgemeinden und die kantonale Aufsicht über die Gemeindefinanzen aufgeworfen. Insbesondere die finanziellen Verflechtungen zwischen Gemeinden und den Betreibern von Tourismusanlagen erschienen laut Medienmitteilung problematisch: «Der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor, Regierungsrat Werner Luginbühl, hat daraufhin das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung beauftragt, anhand von Gemeinderechnungen die finanzielle Situation von ausgewählten Tourismusorten im Berner Oberland zu untersuchen und sie mit der Situation von Leukerbad und einer finanziell gesunden Mittellandgemeinde zu vergleichen.»

Die Untersuchung kommt laut Medienmitteilung zum Schluss, dass die finanziellen Engagements der untersuchten Gemeinden in keinem Verhältnis zur Situation in Leukerbad stünden: «Auch wenn einige der Gemeinden Bilanzfehlbeträge aufweisen und strukturelle Probleme zu bewältigen haben, ist ihre finanzielle Lage nicht dramatisch. Eine Beschränkung auf ihre Kernaufgaben und ein Verzicht auf grosse zusätzliche Engagements im Tourismus dürften ausreichen, den mittelfristigen Haushaltausgleich sicherzustellen.» Fünf der acht Gemeinden wiesen Bilanzfehlbeträge auf, die grösstenteils durch hohe Investitionen verursacht worden seien. Bei vier Gemeinden liegte der Zinsbelastungsanteil (Netto-Zinsendienst im Vergleich mit dem Ertrag) bei über zwei Prozent, was im Kanton Bern als Indiz für eine mittlere bis hohe Verschuldung gelte. Etwas höher lägen die Werte der Gemeinden Lenk (4,72 Prozent) und Grindelwald (3,94 Prozent) ab: «Im Vergleich mit Leukerbad, das einen Zinsbelastungsanteil von fast 35 Prozent aufweist, sind diese Werte allerdings nicht dramatisch.» Sie liegen aber deutlich über dem kantonalen Durchschnitt von 0,5 Prozent. Nicht dramatisch sei auch die Verschuldung der untersuchten Gemeinden: «Während die Bruttoschuld pro Einwohner in Leukerbad rund 86'000 Franken beträgt, liegt sie in der am stärksten verschuldeten Berner Tourismusgemeinde Lenk bei rund 10'000 Franken.» In den übrigen sieben untersuchten Gemeinden liege die Pro-Kopf-Verschuldung unter dem Durchschnitt der Gemeinden im Nachbarkanton Wallis. Die Überprüfung des Verwaltungsvermögens zeige zudem, dass derart umfangreiche, engmaschige und undurchsichtige Verflechtungen wie in Leukerbad in den acht Berner Gemeinden nicht vorhanden seien.

Trotz dieser positiven Bilanz warne die Studie davor, ohne genaue Planung nicht tragbare Investitionen im Tourismus zu tätigen. Der Kanton fordere die Tourismusgemeinden auf, ihre künftigen Engagements sorgfältig zu planen: «Ohne genaue Berechnung der Folgekosten, der allgemeinen Tragfähigkeit für die Gemeindefinanzen und eine langfristige Planung der Investitionen, sollten von den Gemeinden keine umfangreichen Investitionen eingegangen werden.»

Der vollständige Bericht ist im Internet unter der Adresse www.jgk.be.ch/agr/d/gemeinden/finanzen/Tourismusgemeinden.html verfügbar.

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