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Samstag, 20. Mai 2000

Ausfälle im Lawinenwinter im Sommer kompensiert

Jungfraubahn Holding AG: Konzerngewinn eine Million Franken über dem Vorjahr

jb/S. Die extremen Schneefälle und die anhaltende Lawinengefahr im Februar 1999 hatten für die Jungfraubahn Holding AG Einnahmenausfälle von rund 3,5 Millionen Franken zur Folge. Durch eine erfolgreiche Sommersaison konnte das Unternehmen laut Aktionärsbrief die Ausfälle weitgehend kompensieren. Der Konzerngewinn von 14,9 Millionen Franken liege rund eine Million über dem Ergebnis des Vorjahres. Der ordentlichen Generalversammlung vom Dienstag, 13. Juni 2000 im Casino-Kursaal Interlaken wird eine Dividendenerhöhung von acht auf neun Franken pro Aktie beantragt.

Extreme Schneefälle und anhaltende Lawinengefahr im Februar 1999. Unser Bild zeigt die Einfahrt eines Zuges der Berner Oberland-Bahnen (BOB) in den Bahnhof Lauterbrunnen. (Archivbilder: Peter Schmid)
 

Georg Krneta, Präsident des Verwaltungsrates der Jungfraubahn Holding AG, zeigte sich gestern Freitag an seiner ersten Medienkonferenz als Präsident der Holding erfreut, ein gutes Unternehmensergebnis der Gruppe vorlegen zu können: «Trotz der seit Menschengedenken schlimmsten winterlichen Ausnahmesituation im Februar 1999, die uns Einnahmeausfälle von 3,5 Millionen Franken verursachte, ist es uns gelungen, einen Konzerngewinn von rund 15 Millionen Franken auszuweisen, der sogar  eine  Million Franken höher liegt als im Vorjahr.» Dieses  beachtliche Resultat sei einmal durch verstärkte Marketinganstrengungen erreicht worden, die es erlaubt hätten, im Sommer den Ertragsausfall des Jahrhundert-Winters nahezu wieder gutzumachen. Zusätzlich seien geplante Investitionen und Erneuerungen im Umfange von 2,5 Millionen Franken gekürzt worden: «Die gute Sommer/Herbst-Saison und die gezielten Massnahmen der Geschäftsleitung haben viel dazu beigetragen, dieses erfreuliche Ziel zu erreichen.» Hinter diesem Resultat steckt jedoch laut Krneta auch eine grosse Leistung aller Mitarbeiter, die Anerkennung verdiene, weil sie im vergangenen Jahr in einem besonders schwierigen Umfeld habe erbracht werden müssen.

Der Cashflow von 27,8 Millionen Franken entspreche beachtlichen 30,1 Prozent des Betriebsertrages, und wegen reduzierter Investitionen habe der Free Cashflow sogar 22,2 Millionen Franken erreichte: «Der Finanzerfolg verbesserte sich um 0,9 Millionen Franken und der Eigenfinanzierungsgrad stieg gegenüber dem Vorjahr um mehr als  ein  Prozent auf hohe 70,8 Prozent.» Aufgrund des guten Konzernabschlusses und in Anbetracht der Tatsache, dass das neue Geschäftsjahr ebenfalls erfreulich angelaufen sei, schlage der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Erhöhung der Brutto-Dividende von acht auf neun Franken pro Aktie vor: «Obwohl der Ausschüttungsgrad etwas über  ein Drittel des realisierten Konzerngewinnes liegt, glauben wir dies in Anbetracht der guten finanziellen Verfassung der Gruppe im Interesse der Aktionäre verantworten zu dürfen.» Sofern die Generalversammlung dem Dividendenantrag des Verwaltungsrates zustimme, weise die Jungfraubahnen-Aktie bei einem Durchschnittskurs von 240 Franken unter börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz eine beachtliche Rendite von 3,75 Prozent auf.

Bei der Analyse des Aktienkurses und der Bilanz der Jungfraubahn Holding AG könnte laut Krneta «zu Recht die Bemerkung fallen, dass unser Börsenkurs zu tief sei, die Gesellschaft andererseits über hohe nicht investierte Mittel verfüge, und somit gute Voraussetzungen für eine Übernahmeofferte durch einen Raider bieten könnte». Die Holding sei sich dieser Situation bewusst und sei bemüht, solche Gefahren mit verschiedenen Massnahmen zu bannen: «Einmal wurde durch eine an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 10. Februar 2000 beschlossenen Statutenänderung die Namenaktien der Gesellschaft so weit vinkuliert, dass in Zukunft nur noch jemand mit Zustimmung des Verwaltungsrates mehr als fünf Prozent als stimmberechtigte Aktien eintragen lassen kann.» Die Aktionäre, die bereits heute über fünf Prozent des Aktienkapitals besitzen, würden in ihrem heutigen Besitzstand geschützt, könnten jedoch ohne Zustimmung des Verwaltungsrates – siehe auch Bericht «Schutz vor unerwünschter Übernahme  – zwei neue Verwaltungsräte / Ausserordentliche Generalversammlung der Jungfraubahn Holding AG in Grindelwald» vom Freitag, 11. Februar 2000 – ihre Beteiligung nicht erhöhen.

Neben diesen eher formellen Massnahmen sei die Gesellschaft jedoch bemüht, die vorhandenen finanziellen Reserven in der Zukunft gezielt zu investieren: «Solche Investitionen können im Erwerb von Beteiligungen im Tourismusbereich erfolgen, allenfalls auch in ähnlichen Bereichen, wo unsere Kernkompetenzen voll ausgenutzt werden könnten.» Konkrete Projekte gebe es zurzeit keine, aber die Jungfraubahnen seien aktiv am Planen und Abklären von Möglichkeiten.

Eine weitere beträchtliche Investition steht laut Krneta jedoch auch im Bereich der verbesserten Erschliessung der Kleinen Scheidegg von Grindelwald aus bevor: «Noch völlig offen ist die Frage, ob die bestehende Zahnradbahn massiv ausgebaut und entsprechend leistungsfähiger gemacht werden soll oder ob die Bahn durch eine Gondelbahn zu ersetzen ist, die bezüglich der Betriebskosten Vorteile bietet.» Für welche Variante sich der Verwaltungsrat auch entscheiden werde, eines sei sicher: Für die Verbesserung dieser Erschliessung müssten bedeutende Millionen-Beträge eingesetzt werden.

Als Herausforderung im Hinblick auf den zukünftigen Erfolg der Gruppe bezeichnete der Verwaltungsratspräsident die Tatsache, dass 84 Prozent der Reisenden nur ein  Mal auf das Jungfraujoch kämen und der Anteil der Kunden aus dem Fernen Osten rund 50 Prozent der gesamten Passagierzahl ausmache: «In Anbetracht der Zukunftssicherung des Unternehmens müssen wir Mittel und Wege finden, damit Reisende bestrebt sind, mehr als einmal auf das Jungfraujoch zu reisen, und zudem unsere Distribution weltweit gezielt ausbauen.» Einen Schwerpunkt bildeten dabei Europa und die USA: «Zur Zukunftssicherung gehört somit eine gezielte Verbesserung und Verbreiterung unseres Leistungsangebotes und ein möglicher Einstieg in andere Tätigkeitsbereiche.»

Ende des letzten Jahres hat sich die Valiant Holding – siehe auch Bericht «Rentenanstalt wird grösste JBH-Aktionärin» vom Mittwoch, 22. Dezember 1999 – von ihrer langjährigen Beteiligung an der Jungfraubahn Holding AG getrennt, und  mit der Rentenanstalt Zürich konnte laut Krneta ein neuer bedeutender Aktionär gefunden werden, der heute 27 Prozent des Aktienkapitals besitze: «Wir schätzen die Rentenanstalt Zürich nicht nur als wertvolle neue Aktionärin, sondern ebenfalls als zukünftige Partnerin im Marketing- und Werbe-Bereich.» Als Folge dieses Wechsels im Aktionariat seien Max Gsell und Paul Nyffeler an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 10. Februar 2000 aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten und durch Rudolf Suter und Alfred Hänni als Vertreter der Rentenanstalt ersetzt worden. Auf das Datum der kommenden ordentlichen Generalversammlung hätten auch Hermann Debrunner und Martin Josi ihren Rücktritt erklärt. Debrunner hat die im Organisationsreglement vorgesehene Altersgrenze erreicht. Die Global Equity SA, eine 100-Prozent-Tochtergesellschaft der amerikanischen PICO Holdings Inc., verfüge nach wie vor über 18 Prozent des Aktienkapitals. Einer gewissen Usanz entsprechend sei es deshalb angezeigt, den Verwaltungsratspräsidenten dieser Finanzgesellschaft zur Zuwahl in den Verwaltungsrat vorzuschlagen: Ronald Langley sei ein Investment-Analyst und hat seit dem Jahr 1984 von Kalifornien aus über die von ihm beherrschte PICO Holdings in Asien, Europa und in Amerika Investitionen getätigt. Als australischer Staatsbürger sei er gleichzeitig Berater bei verschiedenen Investment-Gesellschaften und Mitglied des Verwaltungsrates von verschiedenen Gesellschaften und Universitäten.

Zur Verbesserung der organisatorischen Struktur und Transparenz ist nach den Ausführungen von Georg Krneta zu Beginn dieses Jahres die Jungfraubahn Management AG gegründet worden, «an der sich unsere Gesellschaft mehrheitlich und die BOB minderheitlich beteiligt haben». Diese Gesellschaft sei mit der Geschäftsführung sämtlicher Gesellschaften der Jungfraubahn Holding AG sowie der BOB beauftragt. An den bisherigen Führungsverhältnissen habe sich nichts geändert: «Die Führungsgruppe wurde einzig neu eingekleidet.»

Rahmenbedingungen, Geschäftsjahr 2000 und Ausblick

Die Rahmenbedingungen für den Tourismus werden von Walter Steuri, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Jungfraubahn Holding AG, heute wesentlich besser als noch vor zwei Jahren eingeschätzt:

– Die Wirtschaft in den USA läuft auf Hochtouren und auch in der Europäischen Union und in der Schweiz ist der Aufschwung im Gange. Selbst die Wirtschaft Asiens hat die Talsohle verlassen.

– Die Wechselkursrelation gegenüber den Währungen unserer wichtigsten Herkunftsländer, insbesondere gegenüber dem US-Dollar, dem Yen und dem Englischen Pfund sind gegenüber den letzten Jahren für den Schweizerischen Incoming-Tourismus sehr günstig. Beim Euro ist es wichtig, dass die Diskrepanz zum Schweizer Franken nicht zu gross wird. Solange der Schweizerfranken einigermassen die Schwäche des Euros mitmacht, können wir als Exportunternehmen damit recht gut leben.

– Die World Tourism Organization (WTO) rechnet im Tourismus weltweit mit einem langfristigen jährlichen Wachstum von 4 Prozent. Der Schweizer Tourismus erwartet ein Logiernächtewachstum von rund 1,5 Prozent.

– In der Schweiz haben die Hotellogiernächte 1999 gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent und gegenüber dem Fünf-Jahre-Durchschnitt um 2,2 Prozent zugenommen. Im Februar 1999 mussten wegen den enormen Schneefällen und den damit verbundenen Schliessung von Verkehrswegen auch bei den Logiernächten Einbussen in Kauf genommen werden (alleine in der Jungfrau-Region über 20'000 Logiernächte).

– Eine stets sehr labile Rahmenbedingung ist die Schneelage. Die beiden letzten Winter haben uns diesbezüglich verwöhnt. Nicht desto trotz sind Beschneiungsanlagen heute unabdingbare Voraussetzungen, um gegenüber der ausländischen Schneesportkonkurrenz bestehen zu können.

Ebenfalls unter den «Rahmenbedingungen» erwähnte  Steuri «die erfreulichen Anstrengungen der Tourismusbranche im Zusammenhang mit der Förderung der Qualität für Gäste (Qualitätsgüte-Siegel)». Dies sei ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Schwachpunkt im Umfeld sei die nach wie vor kleingewerbliche Struktur der Tourismusbranche und die daraus teilweise resultierende wirtschaftliche Schwäche vieler Anbieter in der Leistungskette.

Mit den äusseren Bedingungen für die Geschäftstätigkeit zeigte sich Steuri als grösstenteils sehr zufrieden. Die äusseren Rahmenbedingungen seien aber nicht alleine entscheidend. Noch wichtiger sei, was man daraus mache: «Unser Geschäftsleitungsmitglied und Marketingverantwortlicher Urs Kessler mit seinem Team sind Schwerarbeiter an der Verkaufsfront.» Persönliche Kontakte zu Reiseveranstaltern in den wichtigsten Herkunftsländern unserer Gäste seien ebenso wichtig wie attraktive Angebote und Kundenpflege vor und nach dem Verkauf.

Die ersten vier Monate des Jahres sind laut Steuri naturgemäss stark durch den Schneesport geprägt. Winterwandern, Schlitteln, Snowboarden, Schneeschuhlaufen, Big-Foot- und Fat-Boys-Fahren sind nur einige Varianten des Schneesports. Im Bereich des traditionellen Skifahrens habe der Carvingski neuen Schwung in die Entwicklung gebracht. Seit Januar bis Ende April hätten beste Schneeverhältnisse angeboten werden können. Dies habe sich auch auf die Frequenzen und Einnahmen aus dem Wintersport ausgewirkt: «Die Frequenzen unserer Ski- und Sesselbahnanlagen haben sich von Januar bis April gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent und gegenüber dem Fünf-Jahre-Durchschnitt um 26 Prozent erhöht.» Die Einnahmen aus den langfristigen Skipässen der Jungfrauregion (drei Tage und länger) hätten um 18 Prozent (gegenüber Vorjahr) beziehungsweise um 17 Prozent (gegenüber Fünf-Jahre-Durchschnitt) zugenommen. Bei den kurzfristigen Skipässen (ein halber Tag bis zwei Tage) des Skigebietes Kleine Scheidegg–Männlichen lägen die Einnahmen um 17 Prozent höher als im Vorjahr beziehungsweise um 12 Prozent höher als im Fünf-Jahre-Durchschnitt.

Ausgezeichnet verlaufe der Ausflugsverkehr auf das «Jungfraujoch Top of Europe». Bis Ende April sind nach Angaben von Walter Steuri insgesamt 97'854 Personen auf das Jungfraujoch gereist. Dies seien 92 Prozent mehr als 1999 (Februar-Ausfall) und 54 Prozent mehr als im Fünf-Jahre-Durchschnitt. Im April seien rund 49'000 Besucher gezählt worden, was einem absoluten April-Rekord entspriche (bisheriges Bestergebnis 1992: 28'000). Diese beeindruckenden Zahlen seien hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen: Der Gruppenreiseverkehr sei vielversprechend angelaufen, und im Rahmen einer Promotion im Zusammenhang mit dem 100-Jahr-Jubiläum der Raiffeisenbanken erlebe das Jungfraujoch gegenwärtig einen richtigen Ansturm von Einzelreisenden aus der ganzen Schweiz. «Wir wollen hier nicht verschweigen, dass wir an einzelnen Tagen (insbesondere über das Osterwochenende) sogar reisewillige Kunden mit einem Alternativangebot auf später vertrösten mussten, weil die Strecke total überlastet war.» An diesen absoluten Spitzentagen sei es sehr schwierig gewesen, den Gästen den zu Recht erwarteten Komfort zu bieten (überfüllte Züge). Die Mitarbeiter sowie das Management seien gefordert: «Auch Erfolge können neue Herausforderungen bringen.» Nachdem die Reservationen für die Sommersaison sehr gut verliefen, geht Steuri davon aus, dass es dieses Jahr gelingen werde, die Grenze von 500'000 Besuchern auf dem Jungfraujoch deutlich zu durchbrechen (1999: 488'000).

Dies seien schöne Aussichten. Aber wie überall gebe es auch Wehmutstropfen: Ab dem 1. Januar 2000 werden die Einnahmen aus dem schweizerischen Halbtaxabonnement nach einem neuen Schlüssel verteilt. Daraus ergäben sich für Jungfraubahn-Gruppe Mindererträge von rund 2,5 Millionen Franken: «Bevor wir uns auf den Weg machen, einen neuen Einnahmenrekord zu erzielen, müssen wir vorerst einen Rückstand von gut drei Prozent einholen.» Wenigstens in den ersten vier Monaten sei dies gelungen. Im Vergleich liege der Verkehrsertrag um rund vier Millionen Franken oder 24 Prozent über dem Vorjahr. Die umsatzstärksten Monate Juni bis September stünden allerdings noch bevor. Eine Extrapolation dieser Zahlen sei nicht zulässig, da der Ausfall vom Februar 1999 mitspiele und in der Sommerhauptsaison teilweise die Kapazitätsgrenze erreicht sei.

Strecke Grindelwald–Kleine Scheidegg: Unser Archivbild zeigt einen Zug der Wengernalpbahn in Grindelwald Grund. (Foto: Peter Schmid)

Alternative Erschliessung Kleine Scheidegg

Bei der Prüfung einer alternativen Erschliessung der Kleinen Scheidegg stehen laut Walter Steuri die Gästebedürfnisse und die nachhaltigen Investitions- und Betriebskosten im Vordergrund der Überlegungen. Der Stand der Arbeiten: An einer Veranstaltung vom 22. März 2000 sei die Öffentlichkeit in Grindelwald über das Ergebnis der durchgeführten Befragungen von Gästen, Reiseveranstaltern, Mitarbeitern, Einheimischen und Tourismusfachleuten orientiert worden. Die Befragungen seien ein ausgezeichnetes Instrument, um die Ansprüche, die an das bestehende und an ein allfällig neues Bahnsystem gestellt seien, herauszulesen. So gesehen könne als Ergebnis festgehalten werden: Die heutige Zahnradbahn sei insbesondere im Sommer sehr beliebt. Im Winter seien die Meinungen differenzierter. «Ein neues Bahnsystem müsste die Vorzüge der heutigen Lösung weitgehendst mit beinhalten.» Gute Aussicht und das Naturerlebnis seien die Hauptanforderungen.

Die Meinungsforschung könne dem Verwaltungsrat den Entscheid über die Zukunft der Wengernalpbahn nicht abnehmen. Deshalb hätten sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung dazu entschlossen – als letzten Schritt der Abklärungen – ein konkretes Umlaufbahnprojekt einer modernisierten Zahnradbahn (der sogenannten WAB 2005) gegenüberzustellen. Das Umlaufbahnprojekt umfasse eine moderne Seilbahn (Gondelsystem) zwischen Grindelwald Grund und Kleine Scheidegg mit je einer Zwischenstation in Brandegg und Alpiglen. Die Verbindung zwischen Grindelwald Dorf und Grindelwald Grund würde auf der heutigen Bahnlinie mit Shuttlezug oder einer Standseilbahn sichergestellt. Eine direkte Seilbahnverbindung nach Grindelwald Dorf bleibe als Option offen.Die WAB 2005 umfasse unter anderem zusätzliches neues Rollmaterial, mehr Doppelspurabschnitte und geänderte Gleisanlagen in Grindelwald Grund: «Dies mit der Zielsetzung, auch im Winter einen echten Taktfahrplan einhalten zu können, die Taktzeiten zu verkürzen und den Betrieb rationeller führen zu können.»

Die beiden Projektteams «Umlaufbahn» und «WAB 2005» stünden mitten in ihrer Arbeit, weshalb zurzeit keine weiteren Details bekannt gegeben werden könnten. Die Projektarbeiten sollen dem Verwaltungsrat als Entscheidgrundlage für das weitere Vorgehen dienen: «Ein diesbezüglicher Entscheid soll Ende dieses Jahres fallen.»

Neuer Plateauausgang

Besondere Erwähnung verdiene bei der Jungfraubahn der Bau einer neuen Verbindung vom Berghaus und vom Eispalast zum Gletscherplateau: «Baubeginn für dieses interessante und bereits baubewilligte Vorhaben auf 3454 Meter über Meer ist der Herbst 2000.» Es gehe darum, den heutigen Ausgang des Eispalastes und die Verbindung Berghaus zum Plateau dem Standard und der Qualität der übrigen Anlagen auf dem Jungfraujoch anzupassen. Das Vorhaben werde insbesondere folgende Neuerungen bringen:

– Der Aufstieg aus dem Eispalast ist mit Lift möglich.

– Es entsteht ein neuer geschützter Aussichtspunkt.

– Der Weg über den Firn zum Plateau wird flacher und damit leichter begehbar.

– Das Erscheinungsbild wird weiter aufgewertet.

– Der Wärme- beziehungsweise Kältehaushalt im Eispalast wird verbessert.

Das im Jahr 1908 in Betrieb genommene Bahnkraftwerk Lütschental soll mit Baukosten von rund 16 Millionen Franken teilerneuert werden. – Bild: Die baufällige Wasserfassung in Burglauenen.

Erneuerung Kraftwerk Jungfraubahn

Ein Grundsatzentscheid musste nach Angaben von Walter Steuri bezüglich des Kraftwerkes Lütschental, das der Jungfraubahn gehört, gefällt werden. Die Konzession dieses Kraftwerkes sei zu erneuern gewesen. Zudem stünden insbesondere im Bereich des Wassereinlaufbeckens in Burglauenen Investitionen von rund 16 Millionen Franken an. In diesem Zusammenhang sei zu prüfen gewesen, ob sich die Jungfraubahn-Gruppe auch mittel- und längerfristig in der Stromproduktion engagieren solle: «Dies war insbesondere schwierig, weil europaweit eine umfassende Öffnung des Strommarktes unmittelbar bevorsteht.» Ein interner Businessplan und eine Expertise hätten in der Folge aufgezeigt, dass der Weiterbetrieb auch eines erneuerten Kraftwerks sich trotz stark sinkenden Preisen lohnen werde. Mit Freude habe schliesslich zur Kenntnis genommen werden können, dass am 2. Dezember 1999 durch den Grossen Rat des Kantons Bern die beantragte Konzession – siehe dazu auch Bericht «Konzession für Lütschine-Kraftwerke der Jungfraubahn / Nutzung der Wasserkraft der Schwarzen Lütschine in den Gemeinden Grindelwald und Lütschental» vom Donnerstag, 16. September 1999 – auf die Dauer von 80 Jahre verlängert worden und die Baubewilligung diese Woche eingetroffen sei. Wegen der verbleibenden Vorbereitung und wegen der Abstimmung mit anderen Investitionen sei der Baubeginn für das Jahr 2003 vorgesehen.

Unesco World Heritage List

Mit einiger Sorge ist laut Steuri die Entwicklung des Projektes Unesco-Weltnaturerbe Jungfrau–Aletsch im Kanton Wallis verfolgt worden: «Mit grosser Erleichterung konnten wir nun anfangs letzter Woche zur Kenntnis nehmen, dass im Wallis ein tragfähiger Kompromiss gefunden werden konnte. Wir sind zuversichtlich, dass der Bundesrat den Anträgen der Kantone Bern und Wallis Folge leistet und bei der Unesco ein entsprechendes Eintragungsgesuch einreicht. Wir wissen, dass die relativ unberührte Berg- und Gletscherwelt unser grösstes Kapital ist. Wir begrüssen es, wenn dieses Gut nun auch international anerkannt und geschützt werden soll.»

Ausgezeichnetes Cashflow/Umsatz-Verhältnis

Das Konzernergebnis der Jungfraubahn-Gruppe konnte nach Angaben von Daniel Hertig, Leiter Finanzen und Controlling um eine Million Franken auf 14,9 Millionen Franken gesteigert werden. Der Cashflow von 27,8 Millionen Franken entspreche dem Wert des Vorjahres: «Mit 30,1 Prozent können wir wiederum ein ausgezeichnetes Cashflow/Umsatz-Verhältnis ausweisen.» Die markanten Einnahmenausfälle des Februars von rund 3,5 Millionen Franken seien mit einer erfolgreichen Sommersaison weitgehend kompensiert worden.

Die Struktur der Unternehmungsgruppe hat sich laut Hertig gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert: «Die Sportbahnen Wengernalp Wixi AG, an der die Jungfraubahn Holding AG früher mit rund 37 Prozent beteiligt war, wurde per 1. Januar 2000 mit der Wengernalpbahn AG fusioniert.» Die Betriebsdaten dieser Gesellschaft seien somit erstmals in der konsolidierten Erfolgsrechnung enthalten. Die bedeutendsten Gesellschaften seien die Jungfraubahn AG und die Wengernalpbahn AG: «Diese beiden Unternehmen erwirtschafteten 94 Prozent des Betriebsertrages und 95 Prozent des Gewinnes unserer Gruppe.»

Konzernrechnung 1999

Im Jahr 1999 habe ein Betriebsertrag von 92,2 Millionen Franken erzielt werden können. Davon entfallen nach Angaben von Daniel Hertig 71,2 Millionen Franken auf die wichtigste Einnahmequelle – den Verkehrsertrag. «Als Abgeltung für die Sicherstellung der öffentlichen Erschliessung der Orte Wengen und Mürren erhielten wir 7,4 Millionen Franken.» Der Verkauf von Energie habe 3,7 Millionen Franken beigetragen. Dabei handle es sich um den Verkauf an Dritte. «Die sehr bedeutenden internen Lieferungen (unter anderem Traktionsenergie der Bahnen) wurden im Rahmen der Konsolidierung eliminiert.» Der Warenertrag von 3,3 Millionen Franken entspreche dem Umsatz der Souvenirshops. Die Position Mieterträge von 3,7 Millionen Franken umfasse den Ertrag aus der Vermietung der Restaurationsbetriebe, die Einnahmen des Parkhauses, Parkplatzgebühren und normale Wohnungsmieten. Durch die Betriebseinstellungen aufgrund der extremen Schneefälle und der anhaltenden Lawinengefahr im Februar 1999 seien Einnahmenausfälle von rund 3,5 Millionen Franken entstanden. Um so erfreulicher sei der erzielte Verkehrsertrag von 71,2 Millionen Franken, der 0,75 Millionen Franken über dem Vorjahr liege. Allerdings habe die Fusion mit der Sportbahnen Wengernalp Wixi AG hierzu auch einen Beitrag geleistet. Der Anteil des Einzelreiseverkehrs von 40,1 Prozent entspreche 28,6 Millionen Franken. Der Ertrag aus dem Gruppenreisegeschäft habe auf 19,9 Millionen Franken gesteigert werden können und habe einen Anteil von 28 Prozent. Aus dem Verkauf von Wintersportabonnementen resultierten laut Hertig 11,3 Millionen Franken (Anteil 16 Prozent). Die Einnahmen der Sommersaison (Mai bis November) entsprächen 69 Prozent des Verkehrsertrages. Aus dem Wintergeschäft stammten 31 Prozent. Mit dieser Aufteilung der Saisonerträge unterscheide sich die Jungfraubahn-Gruppe wesentlich von vielen anderen ganzjährig in Betrieb stehenden Ausflugsbahnen.

Der Personalaufwand – die bedeutendste Aufwandposition – habe um eine Million Franken zugenommen. Im Jahr 1999 seien 447 (Vorjahr: 439) Mitarbeiter beschäftigt worden: «Die Zunahme ist auf den Einbezug der Sportbahnen Wixi zurückzuführen.» In der Position «Sonstiger Betriebsaufwand» sei auch der Aufwand für Unterhalt und Erneuerung der Anlagen enthalten. Dafür seien 8,3 (9,9) Millionen Franken ausgegeben worden. Der EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciations and Amortizations) betrage 31,2 Millionen Franken beziehungsweise 33,9 Prozent des Betriebsertrages.

Die Abschreibungen haben nach Angaben von Daniel Hertig aufgrund der regen Investitionstätigkeit steigende Tendenz. Im Berichtsjahr hätten sie um 0,6 Millionen Franken zugenommen. Der EBIT (operatives Ergebnis) liege rund eine Million Franken unter dem Wert des Vorjahres. Wesentlich besser als im Jahr 1998 habe die Finanzrechnung abgeschlossen. Das Vorjahr sei durch die Übernahme der Sportbahnen Wixi belastet gewesen. Nach Berücksichtigung der Anteile der Drittaktionäre verbleibe ein Konzerngewinn von 14,9 Millionen Franken.

Wie für ein Eisenbahnunternehmen typisch, weise die Bilanz eine hohe Anlagenintensität (85,4 Prozent) auf. Die materiellen Sachanlagen seien mit einem Wert von 319 Millionen Franken bilanziert. Die Finanzverbindlichkeiten enthielten noch die Restanz von 8,7 Millionen Franken einer Obligationenanleihe und ein zinsfreies Darlehen der Wirtschaftsförderung. Die Obligationenanleihe mit einer Gesamtsumme von 12 Millionen Franken sei gekündet und werde am 14. April 2000 zum Nominalwert zurückbezahlt. Das Eigenkapital sei auf 270 Millionen Franken angestiegen.

Der Cashflow von 27,8 Millionen Franken entspricht laut Hertig dem im Vorjahr: «Die aussergewöhnlich tiefen Investitionen von nur 5,6 Millionen Franken führten zu einem sehr hohen Free Cashflow von 22,2 Millionen Franken.» Dies sei der Grund für die starke Zunahme der flüssigen Mittel um 18 Millionen Franken. Im Durchschnitt seien rund 20 Millionen Franken pro Jahr investiert worden..

Mit 71 Prozent verfüge die Gruppe über einen sehr hohen Eigenfinanzierungsgrad: «Die sehr gesunde Bilanzstruktur wird uns unter anderem auch bei der Finanzierung der in den nächsten Jahren anstehenden Grossinvestitionen von Nutzen sein.» Die Rentabilität des Eigenkapitals sei auf 5,6 Prozent angestiegen: «Mit einer Cashflow-Rendite von 30,1 Prozent haben wir wiederum einen ausgezeichneten Wert erzielt.»

Jungfraubahn Holding AG

Im Vorjahr wurden nach Angaben von Daniel Hertig bei den Tochtergesellschaften in grossem Umfang versteuerte Reserven aufgelöst. Als Folge der dadurch möglichen Erhöhung der konzerninternen Gewinnausschüttungen sei der Ertrag der Jungfraubahn Holding AG auf 18,1 Millionen Franken angestiegen: «Obwohl aus betriebswirtschaftlicher Sicht kein Anlass bestand, wurde der Mehrertrag für die Verbuchung von Abschreibungen auf den Beteiligungen genutzt.» Der ausgewiesene Jahresgewinn betrage 8,5 (8,4) Millionen Franken. Der Generalversammlung stehe ein Bilanzgewinn von 16,8 Millionen Franken zur Verfügung. Der Verwaltungsrat beantrage 5,3 Millionen Franken als Dividende auszuschütten (neun Franken pro Aktie) und den verbleibenden Saldo von 11,5 Millionen Franken auf neue Rechnung vorzutragen.

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