Berner Oberland News
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Freitag, 3. Dezember 1999

Trinkhallen-Eröffnung im kommenden Frühjahr

Halbzeit bei der Renovation der Trinkhalle am Kleinen Rugen

ae. Am 19. Mai 2000 soll die renovierte Trinkhalle am Kleinen Rugen in Matten eröffnet werden. Bis jetzt ist rund die Hälfte der Sanierungsarbeiten ausgeführt worden, wie heute Freitag an einer Medienorientierung erklärt wurde. Die Kosten sind auf 840'000 Franken veranschlagt worden.

Der vordere Teile der Trinkhalle mit Eingangspartie im «Laubsägelistil» des vergangenen Jahrhunderts. (Fotos: Peter Schmid)

Am 1. September fand der Spatenstich für die Restaurierungsarbeiten an der Trinkhalle statt, die im Jahr 1863 erstellt worden war und seit 1960 nur noch der Forstverwaltung als Lagerraum diente. Drei Monate später wurden nun am Freitag Nachmittag die Medien und am Abend die Mitglieder des Fördervereins über die Baufortschritte orientiert.

Eröffnung am 19. Mai

Nach dem langen Schlaf soll im nächsten Sommer die Trinkhalle wieder leben und für Feste und Anlässe zur Verfügung stehen. Die offizielle Eröffnung werde am Freitag, 19. Mai 2000, stattfinden, teilte Silvio Keller als Präsident des Stiftungsrates mit. Erfreut konnte er auf viele zusätzliche Spenden und auf günstige Offerten der Unternehmer hinweisen. Bis jetzt seien rund 380'000 Franken verbaut worden, führte Architekt Peter Vögtli aus. Die Möbel abgerechnet, entspreche dies ziemlich genau der Hälfte der auf 840'000 Franken veranschlagten Kosten. Alle Aufträge seien an einheitnische Betriebe vergeben worden. Die Arbeiten seien recht zügig vorangekommen, dann jedoch durch den frühen Wintereinbruch beeinträchtigt worden Er hoffe, das Ziel 19. Mai gleichwohl zu erreichen.

Ohne Streben wirkt die Trinkhalle wie einst noch geräumiger und offener.

Die Details pflegen

Die Denkmalpflege von Kanton und Bund tragen zusammen 190'000 Franken an die Baukosten bei. Es ist daher verständlich, dass sie darauf achtet, dass die Trinkhalle möglichst stilgerecht in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird. Die Beachtung der Details erfordere grosse Flexibilität, betonten sowohl der Architekt wie Peter Ritschard als Präsident des Bauausschusses. Sogar die Schrauben mussten gleich aussehen wie im Jahr 1863.

Auf dem Ballenberg abgeschaut

Ob die Ortbretter an den Dächern wirklich Sägezierformen aufwiesen, ist nicht sicher. Ganz gewöhnliche Bretter aber wollte man nicht anbringen. Deshalb nahm man Muster am Chalet Schafroth auf dem Ballenberg, das vom gleichen Architekten – Robert Roller I – gebaut worden war, und der Zimmermann sägte die gleichen Formen aus. Schön sieht es auf jeden Fall aus.

Der Dachstuhl musste ganz neu erstellt werden. Das Dach wird mit Schieferschindeln gedeckt und nicht etwa mit Holzschindeln. Die würden dreimal mehr kosten und nicht so lange halten. Weil die Holzschindeln im Laufe der Zeit durch Ziegel ersetzt worden waren und das Dach deshalb schwerer wurde, musste die grosse Halle mit Streben verstärkt werden. Ohne Streben wird die Halle wie einst noch geräumiger und offener wirken.

Böse Überraschungen

Bei den Restaurierungsarbeiten gebe es auch Überraschungen wie verfaultes Holz oder die Feststellung, dass früher statt mit Mörtel mit Lehm und Dreck gemauert worden sei. Dies führe zu Mehrkosten, erklärte Architekt Vögtli. Dank der günstigen Offerten hoffe er aber, den Kostenvoranschlag gleichwohl einhalten zu können. Positiver war eine andere Überraschung. Beim Eingang kam unerwartet die Anschrift «Café – Restaurant – Trinkhalle» zum Vorschein, Allerdings stammt diese Anschrift nicht aus den Anfangszeiten.

Im Sommer und im Winter  Neben der grossen offenen Halle – die bis zu 150 Personen Platz bietet und nur für den Sommerbetrieb geeignet ist – werden im hinteren isolierten Teil im Erdgeschoss und im ersten Stock zwei Säle für bis zu 40 und 80 Personen eingerichtet, die auch im Winter – etwa für Sitzungen – genutzt werden können. Eine Satellitenküche erweitert die Trinkhalle zum Speiselokal. Reservationen für den kommenden Sommer können jetzt schon beim Förderverein Trinkhalle am Kleinen Rugen erfolgen.

Die einst gefragten Molkenkuren gegen Übergewicht, Leber-, Gallen-, Darm- und Nierenleiden sowie bei Hauterkrankungen und Gicht sind schon im vergangenen Jahrhundert aus der Mode gekommen – geblieben ist eine grossartiger Sicht von der Trinkhalle aus auf das Jungfraumassiv.

Aus der Geschichte der Trinkhalle

pd/S. Die ehemalige Molken-Trinkhalle am Kleinen Rugen – sie ist eben am vergangenen Mittwoch vom Regierungsrat des Kantons Bern unter Denkmalschutz gestellt worden – wurde im Jahr 1863 vom Burgdorfer Architekten Robert Roller II im Auftrag der «Grandhotel Jungfraublick AG» mit dem prominenten Carl von Rappard an der Spitze entworfen. Als Teil der Kuranlage des Grandhotels «Jungfraublick» (heutiges Schulhotel «Regina») wurde sie in reizvoller Lage am Rande einer weiträumigen Waldlichtung mit grossartiger Sicht auf das Jungfraumassiv erstellt.

Die damals gefragten Molkenkuren versprachen Hilfe bei Übergewicht, Leber-, Gallen-, Darm- und Nierenleiden sowie bei Hauterkrankungen und Gicht. Als die Molkenkuren nach 1870 ihre Attraktivität einbüssten, wurde die Trinkhalle vorwiegend im Sommer als «Café Restaurant Trinkhalle» weitergeführt. Dank der grossartigen Waldpromenade war das Lokal auch nach der Loslösung vom Grandhotel «Jungfraublick» (um 1890) ein beliebtes Ausflugsziel. Zur Zeit der beiden Weltkriege und der Krisenjahre liess der Tourismus nach und es wurde stiller um die Trinkhalle. Im Jahr 1957 kaufte der Staat Bern die Liegenschaft, in der noch bis 1960 der Wirt Arnold Mösching die Gäste bediente. Seither nutzte die Staatsforstverwaltung die Halle als Materialdepot.

An der Medienorientierung heute Freitag Nachmittag. Von links nach rechts Stiftungsratspräsident Silvio Keller, Architekt Peter Vögtli, Peter Ritschard, Präsident des Bauausschusses, Fördervereinspräsident Werner Sebel und Ruth Meier, Sekretärin des Stiftungsrates.

Förderverein

Der «Förderverein Trinkhalle am Kleinen Rugen» fördert und stützt die «Stiftung Trinkhalle» in ihren Bestrebungen um die Wiederinstandstellung, den Erhalt und den Betrieb der «Trinkhalle am Kleinen Rugen». Im Einzelnen sind laut einer Medienmitteilung dem Förderverein folgende Aufgaben zugeordnet:

– Akquisition von Anlässen verschiedenster Art für eine optimale Auslastung der Trinkhalle. Entgegennahme und Koordination der Reservationen.

– Übergabe an den Mieter und Abnahme der Trinkhalle nach Beendigung des Anlasses.

– Abrechnungswesen und Debitorenverwaltung.

Für die anstehenden Arbeiten zeichnet laut einer Medienmitteilung der Vorstand des Fördervereins verantwortlich. Er setze sich derzeit aus den folgenden Mitgliedern zusammen: Werner Sebel als Präsident sowie Ami Aerni, Tobias Bichsel, Hugo Küng, Peter Vögtli und Ruedi Zumstein.

So wie einige andere Institutionen sei auch der Förderverein «Trinkhalle am Kleinen Rugen» auf eine breite Unterstützung touristischer Partner und der allgemeinen Öffentlichkeit angewiesen. Der Verein bietet dazu zwei Möglichkeiten: Einerseits eine Mitgliedschaft anderseits als Gönner. Die Mitgliedschaft sei sowohl als Einzelperson für 20 Franken pro Jahr, für Ehepaare für 30 Franken pro Jahr, für Familien für 50 Franken pro Jahr sowie für Personen/Firmen für 200 Franken pro Jahr möglich. Personen welche die Ziele des Vereins unterstützten, jedoch derzeit nicht Mitglied werden möchten, können sich nach Angaben des Vereins auch als Gönner registrieren lassen. Interessenten können sich sowohl für eine Mitglied- wie für eine Gönnerschaft unter folgender Adresse melden: Ami Aerni, Jungfraublickallee 5, 3800 Matten, Telefon 033 822'75'61, Telefax 033 827'53'55.

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