Berner Oberland News
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Freitag, 31. August 2001

Jäger auf Fotos angeblich bloss mit Luchsattrappe abgebildet

Luchstötungen im Berner Oberland: Verdacht auf Vergehen gegen das Jagdgesetz

pkb/S. Trotz intensiven Ermittlungen bleibt die Urheberschaft der Tötung von zwei Jungluchsen und der vermuteten Tötung von drei weiteren Luchsen im Berner Oberland in den Jahren 2000 und 2001 weiterhin ungeklärt. Wegen Vergehens gegen das Jagdgesetz wurde laut einer Medienmitteilung jedoch gegen zwei Jäger die Strafverfolgung eröffnet.

Im Zusammenhang mit dem Auffinden des intakten Sendehalsbandes des Luchsweibchens «Raja» vom 28. September 2000 im Kofferraum eines Personenwagens in Lauenen bei Gstaad – siehe auch Bericht «Luchs-Senderhalsband in Lauenen gefunden» vom Montag, 2. Oktober 2000 – sind nach Angaben des Untersuchungsrichteramtes IV Berner Oberland die beiden Finder nochmals befragt worden: «Diese blieben bei ihrer Darstellung, wonach sie das Halsband am 6. Juli 2000 im Luchsnest anhand von Fotos aus dem Internet gefunden, dabei jedoch weder Luchs noch Jungluchse festgestellt hätten.» Gemäss den Koordinierten Forschungsprojekten zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz (KORA) soll die Peilung vom 5. Juli 2000 mehr oder weniger mit dem von den Findern angegebenen Fundort übereinstimmen.

Jäger auf Fotos mit einem Luchs abgebildet

Im weiteren wurden laut Medienmitteilung Ermittlungen zur Klärung von Gerüchten angestellt, wonach Jäger Luchse gewildert haben sollen. In diesem Zusammenhang seien insgesamt vier Jäger, ein Wildhüter, zwei Polizisten und fünf weitere Personen polizeilich befragt worden. Die zuständige Untersuchungsrichterin (Christine Schenk) habe am 27. Februar 2001 eine Voruntersuchung gegen unbekannte Täterschaft eröffnet: «Untersuchungsrichterlich einvernommen wurden fünf Polizisten und drei weitere Personen.» Ausserdem seien die Abschusskontrollen der Jahre 1999 und 2000 von fünf Jägern aus dem Raum Wimmis erhoben worden. In der Folge sei gegen zwei Jäger die Strafverfolgung wegen Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel eröffnet worden: «Einem Jäger wird das Erlegen eines Luchses ohne Berechtigung sowie das Aufbewahren eines Luchsfelles, von dem er annehmen musste, dass das Tier gewildert worden war, vorgeworfen.» Er bestreite die Anschuldigungen und gebe an, das Fell stamme von einer im Jahr 1999 verstorbenen Person. Im zweiten Fall betreffe das Strafverfahren einen Jäger, der in der Öffentlichkeit Fotos herumgezeigt habe, auf welchen er mit einem Luchs abgebildet gewesen sei: «Auch er bestreitet den Vorwurf der Wilderei und gibt an, er sei auf den Fotos nicht mit einem echten, sondern bloss mit der Attrappe eines Luchses abgebildet gewesen.» Im Rahmen der Ermittlungen seien auch indirekte Aussagen von Personen überprüft worden, wonach weitere Jäger einen oder mehrere Luchse geschossen haben sollen: «Gegenüber den Strafverfolgungsbehörden wurden diese Aussagen jedoch nicht bestätigt; es seien nur Äusserungen weiterverbreitet worden, welche als Gerüchte herumgeboten worden seien.»

Jungtier möglicherweise mit Sturmgewehr erschossen

Der  am 6. Dezember 2000 im Gartencenter des Migros-Zentrums MMM in Thun tot aufgefundene weibliche Jungluchs – siehe auch Bericht «Jungluchs wurde mit vier Schüssen erlegt» vom Mittwoch, 13. Dezember 2000 –  ist laut Medienmitteilung durch Verbluten, verursacht durch ein Schusstrauma gestorben. Dies hätten die Untersuchungen am Institut für Tierpathologie der Universität Bern ergeben. Laut einem zusätzlichen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern hätten sich an der rechten Körperseite vier Einschussöffnungen und an der linken Körperseite drei Ausschussgruppen feststellen lassen: «Bei der Rekonstruktion des Schussverlaufes ergab sich, dass insgesamt drei Durchschüsse und ein Steckschuss infolge eines ricochierten Geschosses vorlagen.» Gestützt auf diese Feststellungen sei davon auszugehen, dass es sich bei der Munition um ein Vollmantelgeschoss im Kaliberbereich 5,5 bis 6 Millimeter handle und dass damit als Waffe das 5,6-Millimeter-Sturmgewehr 90 der Schweizer Armee in Frage komme. Der Zeitpunkt der Tötung des Jungtieres des Luchsweibchens «Saba» liege zwei bis drei Tage vor dem Auffinden des Kadavers.

Schrotkugel im Kopf

Bei einem am 15. März 2001 in der Region Meiringen tot aufgefundenen Jungluchs – siehe auch Bericht «Toter Jungluchs in Meiringen aufgefunden» vom Freitag, 16. März 2001 –  konnte nach Angaben der Untersuchungsbehörden die medizinisch exakte Todesursache nicht mehr festgestellt werden: «Die Untersuchungen des Instituts für Tierpathologie haben jedoch ergeben, dass eine der vier festgestellten Schrotkugeln in den Kopf des Tieres eingedrungen war und den Tod des Tieres mindestens mitverursacht haben muss.» Der Todeszeitpunkt werde auf ein bis zwei Wochen vor Auffinden der Kadaverteile geschätzt. Die anderen drei festgestellten Schrotkugeln seien zu einem früheren Zeitpunkt auf das Tier abgegeben worden und stellten keine Mitursache für das Verenden des Tieres dar. Im Hinblick auf die Ermittlung der Täterschaft seien bisher fünf Jäger befragt worden. Keine neuen Erkenntnisse lägen bezüglich der toten Luchse «Jule» (aufgefunden im Juni 2000 in der Region Niedersimmental) und «Tell» (Sendehalsband aufgefunden am 19. September 2000 in der Aare unterhalb der Hunzigenbrücke) vor.

Weitere Ermittlungen sind laut Untersuchungsrichteramt IV Berner Oberland im Gang: «Personen, welche sachdienliche Angaben machen können, sind weiterhin gebeten, sich mit der Einsatzzentrale der Kantonspolizei in Thun (Telefon 033 227'61'11) in Verbindung zu setzen.»



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