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Mittwoch, 8. August 2001

Steilste touristisch genutzte Bergbahn offiziell eröffnet

kwo/S. Nach umfangreichen Erneuerungsarbeiten kann die im Jahr 1926 als Werkbahn für den Bau der Gelmerstaumauer und die Druckleitung zum Kraftwerk Handeck 1 im Grimselgebiet gebaute Gelmer-Standseilbahn seit 4. August 2001 auch von Ausflüglern, Bahnfreunden, Bergsteigern und Wanderern benützt werden. Die Fahrt dauert nach Angaben der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) zehn Minuten. Die heute Mittwoch offiziell eröffnete Gelmerbahn überwindet laut KWO eine Höhendifferenz von 448 Meter und soll mit einer maximalen Steigung von 106 Prozent europaweit die steilste Standseilbahn sein.

Der Gelmer-Schräglift am Tag der offiziellen Eröffnung bei der Ankunft auf der 1850 Meter über Normalnull gelegenen Bergstation. (Fotos: Peter Schmid)

Ehe die Gelmer-Werkbahn Gäste aus aller Welt habe transportieren können, musste nach KWO-Angaben – siehe auch Bericht «Gelmerbahn ab 4. August auch touristisch genutzt» vom Donnerstag, 26. Juli 2001 – eine Konzession für die Bahn beantragen, was wiederum umfassende Investitionen von rund einer Million Franken nach sich gezogen habe: «KWO-Mitarbeiter und Fachkräfte der Doppelmeyer AG installierten eine moderne elektromechanische Ausrüstung (Antrieb, Fernüberwachung, Steuerung).» Gleichzeitig sei das Rollmaterial in der KWO-Turbinenwerkstatt komplett renoviert worden. Die Erneuerungsarbeiten, die zu etwa 80 bis 85 Prozent auch dann hätten vorgenommen werden müssen, wenn die Gelmerbahn weiterhin ausschliesslich für Werktransporte eingesetzt worden wäre, hätten rund ein halbes Jahr gedauert.

KWO-Direktor Gianni Biasiutti heute Mittwoch bei der offiziellen Eröffnung auf der Talstation der neu auch touristisch genutzten Gelmerbahn.

Die Gelmerbahn – fachtechnisch als Schrägaufzug bezeichnet – ist laut KWO mit einer Steigung bezeihungsweise Neigung von 106 Prozent die steilste touristisch genutzte Bergbahn. Der Ausflug mit der Gelmerbahn sei aber auch landschaftlich äusserst reizvoll. In zehn Minuten Fahrzeit erreiche man ab der Handeck ein Hochtal auf 1860 Meter über Normalnull: «Von der Bergstation führt ein kurzes Wegstück an den malerischen Gelmerstausee, eingebettet in einer hochalpinen Landschaft.» Von der Krone der Staumauer geniesse man einen wunderbaren Ausblick über das Grimselgebiet, die Grimselpassstrasse und die gegenüberliegenden Hochtäler. Für Wanderfreunde gebe es verschiedene gut markierte Bergwege, beispielsweise eine Wanderung um den Stausee, ein Ausflug zur bewirteten Gelmerhütte des SAC oder eine Wanderung über den Bergweg zur Postautohaltestelle «Chunzentännlen» an der Grimselstrasse und weiter über den alten Saumpfad zur Handeck. Mit der Gelmerbahn erhalten laut KWO auch die Grimselhotels eine attraktive Erweiterung ihres Angebots: «Vor allem für die Feriengäste des nahgelegenen Hotels Handeck eröffnet die Gelmerbahn neue Möglichkeiten für Wander- und Bergtouren.»

Undatiertes Bild vom Bau der im Jahr 1926 eröffneten Gelmerbahn. (Archivbild/zvg)

Die seit 4. August auch Ausflüglern Bahnfreunden, Bergsteigern und Wanderern zur Verfügung stehende Gelmerbahn soll laut KWO bis am 15. Oktober 2001 täglich fahren. Die Eröffnung im nächsten Jahr ist – je nach Schneeverhältnissen und Zeitpunkt der Öffnung des Grimselpasses – nach Angaben an einer Medienorientierung von heute Mittwoch etwa für Mitte Juni vorgesehen. Die Fahrten erfolgten auf Anmeldung bei der Tal- oder Bergstation oder im voraus unter der Telefonnummer 033 982'20'11. Die Bahn transportiere maximal acht Personen; Fahrten würden ab mindestens vier Personen durchgeführt. Eine einfache Bergfahrt koste 15 Franken für Erwachsene und 10 Franken für Jugendliche von 6 bis 16 Jahren. Die Bahnfahrt zum Gelmersee könne auch mit einem Besuch der Kraftwerksanlagen verbunden werden. Anfragen nehme der Besucherdienst der KWO entgegen.

Zahlen und Fakten zum Schrägaufzug Gelmer

Mit der Gründung der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) am 20. Juni 1925 und der anschliessenden ersten Ausbauetappe mit der Stauanlage Grimsel, der Überleitung Grimsel–Gelmer, der Stauanlage Gelmer zusammen mit dem Druckschacht Gelmer–Handeck und der Zentrale Handeck 1 wurde nach KWO-Angaben aus bautechnischen Gründen die Standseilbahn Handeck–Gelmer erstellt.

Einsatz und Aufgaben ...

... während der Bauphase: Transport der Bauarbeiter (Baupersonal). Transport der Panzerrohre für die Druckschachtpanzerung (bis 2,3 Meter Durchmesser und 7,7 Tonnen Gewicht). Transport der Ein- und Auslaufabschlussorgane (Schützentafeln, Drosselklappen und so weiter) sowie Rechen, Baumaschinen und eine Menge anderer schwerer Güter.

... seit dem Bauende bis heute (während rund 74 Betriebsjahren jeweils etwa Juni bis Oktober): Transport des KWO-PersonaIs zwecks Kontrolle und Instandhaltung der bestehenden Anlagen im Gelmer. Transport von Material und Maschinen für verschiedene Sanierungs- und Umbauarbeiten im Gelmer. Seit 4. August 2001 hat die Bahn zusätzlich eine kantonale Konzession, welche es ermöglicht, pro Fahrt auch acht Touristen zu befördern.

Technische Angaben

– Rohraussprengung für das Bahntrasse 1923 und 1924.
– Trassebau und Installation der elektrischen und mechanischen Einrichtungen 1926.
– Inbetriebnahme der Bahn 11. November 1926.
– Erbauer der Bahn Eisenwerke Von Roll Bern
– Höhe der Talstation 1412 Meter über Normalnull.
– Höhe der Bergstation 1860 Meter über Normalnull.
– Höhendifferenz  448 Meter.
– Schiefe Trasseelänge 1028 Meter.
– Horizontale Länge 907 Meter.
– Mittlere Neigung 49,4 Prozent.
– Maximale Neigung 106 Prozent (mehr als 45 Grad).
– Spurweite 1000 Millimeter.
– Fahrgeschwindigkeit mit Personentransport bisher 1,20 Meter in der Sekunde (bis drei Tonnen Nutzlast), neu 2,00 Meter in der Sekunde. Fahrgeschwindigkeit mit Schwerlast bisher 0,75 Meter in der Sekunde (bis 10 Tonnen), neu 1,00 Meter in der Sekunde.
–  Fahrzeit mit Personen bisher etwa 15 Minuten, neu etwa 9 Minuten. Fahrzeit mit Schwerlast bisher etwa 23 Minuten, neu  etwa 18 Minuten.

Fahrzeug: Das Fahrzeug wird grundsätzlich in der Bergstation garagiert. Dies vor allem um einer allfälligen Beschädigung des Zugseils durch Steinschlag vorzubeugen.

– Fahrzeug-Eigengewicht 5,7 Tonnen. Maximale Nutzlast 10,0 Tonnen.
– Personennutzlast Werkverkehr 24+1 Person. Personennutzlast touristischer Verkehr 8 + 1 Person (kantonale Konzession).
– Ausgerüstet mit einer Schienenkopfbremse (Zangenbremse).
– Förderseil: Durchmesser 39 Millimeter. Metallquerschnitt 622 Quadratmillimeter. Mindestbruchkraft  etwa 100 Tonnen (1006 kN).
– Antrieb: Der Antrieb befindet sich in der Bergstation. Antriebsart bisher Schleifringankermotor (Drehstrommotor) mit Kontroller und Vorschaltwiderständenm, neu Frequenzumrichter mit Drehstromantrieb (Drehstrommotor) elektronische Steuerung und Fernüberwachungsanlage.



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