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Montag/Dienstag, 30./31. August 1999

Denner strafft sein Sortiment – um wie viel weiss nur Karl Schweri
 
«Top-Superdiscount»: Vor der Eröffnung Verkehrsbehinderungen in der Interlakner Centralstrasse

S. Die beiden Denner-Filialen an der Centralstrasse 20 und an der Marktgasse 54 in Interlaken sollen nach zweitägiger Einrichtungszeit am Mittwoch, 1. September 1999, mit der Bezeichnung «Denner-Top-Superdiscount» wiedereröffnet werden. Mit diesem neuen Ladentyp will die Denner AG, wie aus einem von ihrem Inhaber Karl Schweri unterzeichneten Schreiben an die Haushaltungen auf dem Bödeli hervorgeht, das Sortiment straffen.

Ehepaar mit Kinderwagen auf der Fahrbahn neben einem Zürcher Lieferwagen im Fussgängerstreifen-Halteverbot auf dem Trottoir vor der Denner-Filiale Centralstrasse. (Fotos: Peter Schmid)

Bereits am Montag behinderten Denner-Fahrzeuge sowohl die Fussgänger als auch den Verkehr auf der stark befahrenen Interlakner Centralstrasse.Unter anderem versperrte am Nachmittag ein schräggestellter Personenwagen des Denner-Wartungsdienstes mit Zürcher Kontrollschildern das Trottoir vollständig, ehe das Auto von seinem Fahrer ein paar Meter weiter und zum Teil ins Halteverbot vor dem Fussgängerstreifen verschoben wurde. Auch ein vollständig im Halteverbot vor dem Fussgängerstreifen abgestellter Lieferwagen – ebenfalls mit Zürcher Kontrollschildern – blockierte stundenlang das Trottoir und zwang die Fussgänger vom Backpacker bis zur jungen Familie mit Kinderwagen, auf die Fahrbahn auszuweichen.

Schräg über das ganze Trottoir in der Interlakner Centralstrasse abgestellter Personenwagen eines Denner-Mitarbeiters mit Zürcher Kontrollschildern. Ob da die Zürcher Polizei auch beide Augen zudrücken würde?

Vor 30 Jahren habe er in Zürich-Altstetten mit 750 Artikeln den ersten Lebensmittel-Discount der Schweiz unter der Bezeichnung Denner-Superdiscount eröffnet und die Produkte 10 bis 20 Prozent billiger abgegeben als Coop und Migros: «Ein Riesenerfolg», meint Schweri in seinem Schreiben an die «lieben Lebensmittelkunden» auf dem Bödeli. Seit mehr als zehn Jahren sei beim Denner-Superdiscount das Artikelangebot immer mehr erweitert worden. Das habe einen beachtlichen Kostenanstieg zu Folge gehabt, «so dass Denner Superdiscount nicht mehr in der Lage war, die Artikel 10 bis 20 Prozent billiger abzugeben als Coop und Migros». Über Umsätze oder andere Zahlen des Denner-Imperiums schwieg sich Schweri – der Denner-Boss soll laut Medienberichten von Ende 1995 ein Einkommen von 2,56 Millionen Franken steuerdeklariert haben – in seinem Schreiben jedoch aus. Nicht viel ergiebiger ist auch der Internet-Auftritt der Denner AG: Da wird zwar in drei Sprachen «informiert» – aber eben nur über das neueste Angebot von drei halbpreisigen Artikeln, darunter 100'000 Packungen mit 110 Gramm schweren Geflügelbratwürsten zum Preis von 65 Rappen.

Auf dem Trottoir und teilweise im Halteverbot vor dem Fussgängerstreifen – zu erkennen an der beinahe ganz verdeckten gelben Linie –  parkierte Fahrzeuge. Dahinter ein zwar auch verkehrsbehindernder, aber korrekt auf der Fahrbahn für den Güterumschlag abgestellter Denner-Lastwagen.

Nachdem heute viele Schweizerinnen und Schweizer sich zu viel billigeren Preisen in den grenznahen Lebensmittelgeschäften in Frankreich und Deutschland – in Deutschland namentlich in den Aldi-Geschäften, die lediglich 1000 Artikel führen – mit Waren eindecken», führt Schweri in einem Bandwurmsatz aus, «habe ich entschieden, mit einem neuen Ladentyp Denner-Top-Superdiscount ein Sortiment von 1900 ausgewählten Produkten in Markenartikel-Qualität immer 10 bis 30 Prozent billiger zu verkaufen als Coop und Migros.» – Einen kleinen Vorgeschmack auf die Sortimentsstraffung – auch wie viele Artikel bisher geführt wurden, nannte Schweri in seinem Schreiben nicht – lieferte bereits in den vergangenen Tagen die Denner-Filiale Centralstrasse: Fanta und Sprite in Halbliterdosen verschwanden, und in den Regalen blieb von den Aludosen nur noch ein in Österreich abgefülltes klebriges Kola-Getränk.
 
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